Erstellt am 14. September 2011, 07:49

Kleinere Klassen, kürzerer Unterricht. Österreichs Schüler sitzen zwar in kleineren Klassen - dies aber kürzer als viele ihrer Kollegen in anderen Industriestaaten. Das geht aus der am Dienstag präsentierten OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" hervor.

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Die durchschnittliche Klassengröße lag demnach mit 18,9 Kindern in der Volksschule (OECD: 21,4) und 22,6 Kindern in der AHS-Unterstufe bzw. Hauptschule (OECD: 23,7) unter dem OECD-Schnitt.

Mit der Senkung der Klassenschüler-Höchstzahl ging auch ein verbessertes Betreuungsverhältnis einher: In der Volksschule treffen auf einen Pädagogen 12,6 Schüler (OECD: 16), in der Sekundarstufe 9,9 Kinder (OECD: 13,5). Das begrüßt OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher im APA-Gespräch zwar "als angenehm für die Bildungsbeteiligten", "aber die Senkung der Höchstzahl ist nicht zwangsläufig eine geeignete Investition, um Qualität zu verbessern".

Hier wäre die "reine Lernzeit, also die Unterrichtszeit wichtiger". Und die ist bei Österreichs Jüngsten kürzer bemessen als bei ihren Kollegen. Hierzulande müssen Sieben- bis Achtjährige 690 Stunden und Neun- bis Elfjährige 766 Stunden jährlich in den Klassen sitzen (OECD: 749 bzw. 793 Stunden). Etwas länger als im OECD-Schnitt fällt hingegen die Pflichtunterrichtszeit für Zwölf-bis 14-Jährige aus (Ö: 913 Stunden, OECD: 873).

Dass auch Lehrer im OECD-Vergleich kürzer in den Klassenräumen stehen, unterstreicht für das Unterrichtsministerium laut einer Aussendung am Dienstag die "Notwendigkeit eines neuen Lehrerdienstrechts". So liegt die gesetzliche bzw. vertragliche jährliche Gesamtarbeitszeit der österreichischen Lehrer mit 1.776 Stunden zwar über dem OECD-Schnitt (etwa 1.660), die Anzahl der Unterrichtsstunden liegt aber klar darunter.

Während die österreichischen Pädagogen in der Volksschule mit 779 Stunden genauso lange in der Klasse stehen wie ihre Kollegen im OECD-Schnitt, unterrichten sie im Bereich der Sekundarstufe deutlich kürzer: In der Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe stehen sie 607 Stunden in der Klasse, während der durchschnittliche Lehrer im OECD-Schnitt 701 Stunden unterrichtet. Ähnlich sieht es an der AHS-Oberstufe und an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) aus (Ö: 589 Stunden, OECD: 656 Stunden).

Österreichs Bildungssystem auf einen Blick

AUSGABEN PRO SCHÜLER/STUDENT: In Österreich betrugen diese 2008 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 11.852 US-Dollar jährlich. Damit lagen sie über dem OECD-Schnitt von 8.831 Dollar.

BILDUNGSAUSGABEN: Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung sinken. Wurden 1995 noch 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufgewendet, waren es 2000 nur noch 5,5 Prozent. Seitdem stagnieren die Ausgaben: 2008 waren es 5,4 Prozent des BIP. Aufgeschlüsselt zeigt dies einen Rückgang der Aufwendungen in allen Bereichen: Der Anteil für den gesamten Schulbereich sank zwischen 1995 und 2008 von 4,3 Prozent des BIP auf 3,6 Prozent, die Aufwendungen für den Tertiärbereich stagnieren bei 1,3 Prozent (1995: 1,2 Prozent). Der Anteil an den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand für Bildung wurde indes seit 1995 von 10,8 Prozent auf 11,2 Prozent leicht erhöht. Damit liegt Österreich unter dem OECD-Schnitt von 12,9 Prozent.

BILDUNGSSTAND: Der Anteil von Personen mit Matura bzw. Lehrabschluss (Abschluss Sekundarstufe II) an den 25- bis 64-Jährigen stagniert seit 1997 in Österreich bei 63 Prozent (OECD-Schnitt 2009: 44 Prozent). Der Anteil der Hochschulabsolventen an dieser Bevölkerungsgruppe stieg dagegen von 11 auf 19 Prozent (OECD-Schnitt 2009: 30 Prozent).

BILDUNGSBETEILIGUNG: Der Anteil der Drei- bis Vierjährigen im Bildungssystem liegt mit 72,3 Prozent über dem OECD-Schnitt (70,1 Prozent), die Quote der Fünf- bis 14-Jährigen mit 98,4 Prozent knapp darunter (98,6). Hingegen befindet sich jeder fünfte 15- bis 19-Jährige nicht in Ausbildung, womit Österreich im OECD-Vergleich im hinteren Viertel platziert ist (Ö: 79,4 Prozent, OECD: 82,1). Ebenfalls unter dem OECD-Schnitt liegt der Anteil der 20- bis 29-Jährigen im Bildungssystem (Ö: 23,2; OECD: 26,0).

BESCHÄFTIGUNGSCHANCEN: Mit höherem Bildungsstand steigen die Chancen auf einen Job: Die Beschäftigungsquote der 25- bis 64-Jährigen klettert vom Sekundarbereich I (Pflichtabschluss) mit 64,1 Prozent (Männer) bzw. 50 Prozent (Frauen) auf 91,2 Prozent (Männer) bzw. 82,7 Prozent (Frauen) bei einem Hochschulabschluss.

KLASSENGRÖSSE: Die durchschnittliche Klassengröße lag 2009 in Österreich in der Volksschule bei 18,9 Kindern (OECD-Schnitt: 21,4) und im Sekundarbereich (Hauptschule, AHS-Unterstufe) bei 22,6 Kindern (OECD: 23,7).

BETREUUNGSVERHÄLTNIS AN SCHULEN: Vergleichsweise weniger Schüler als im OECD-Schnitt kommen in der Volksschule und in der Sekundarstufe auf einen Lehrer. Im Primarbereich treffen auf einen Pädagogen 12,6 Schüler (OECD: 16), in der Sekundarstufe 9,9 Kinder (OECD: 13,5). Allein im tertiären Bildungsbereich liegt das Verhältnis über dem Durchschnitt: Hier kommt ein Lehrender auf 15,6 Studenten (OECD: 14,9).