Erstellt am 19. September 2012, 00:00

Knochenjob Ortschef. Ausgelaugt / Bürgermeister klagen über steigende Anforderungen und rechtliche Sorgen. Die BVZ sprach mit prominenten „Aussteigern“.

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Von Wolfgang Millendorfer

Gerade im Vorfeld der Gemeinderatswahl sind es brisante Zahlen, die eine Umfrage des Beratungshauses „Price Waterhouse Cooper“ jetzt ans Licht brachte: Von 500 befragten Bürgermeistern gab ein Drittel an, unter den derzeitigen Anforderungen nicht mehr kandidieren zu wollen. Sorgen bereiten den Ortschefs nicht nur die wachsenden Belastungen, sondern vor allem heikle rechtliche Fragen.

Das Bürgermeisteramt als „Beziehungskiller“ 

Auch im Burgenland haben sich einige Bürgermeister für den (vorzeitigen) Abgang entschieden. Mit Peter Vargyas verließ bereits vor einigen Monaten einer der schillerndsten von ihnen die Polit-Bühne. Der ehemalige SPÖ-Mann aus Mörbisch genießt jetzt eine völlig neue Lebensqualität, wie er sagt. Denn: „Job und Privatleben leiden oft sehr unter dem Bürgermeisteramt. Das kann schon ein richtiger Beziehungskiller sein.“

Die Zumutbarkeitsgrenze wird laut Vargyas auch in der rechtlichen Situation überschritten: „Bei fast jeder Entscheidung muss der Bürgermeister abschätzen, ob er nicht schon mit einem Fuß vor dem Kadi steht …“

Für Walter Hofherr (Foto), ehemaliger VP-Ortschef in Schützen am Gebirge, gab der Zeitfaktor den Ausschlag für den Abschied: „Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich mich mehr auf Familie und Freizeit konzentrieren will. Denn als Bürgermeister wird man schon ausgelaugt.“

In ein anderes Horn stößt Riedlingsdorfs Ex-Ortschef Erwin Kaipel (SPÖ): „Wenn man das Amt anstrebt, muss man wissen, dass es kein Spaziergang ist. Auch mit der rechtlichen Verantwortung muss man sich immer wieder ganz bewusst auseinandersetzen.“

Leiser treten will auch Walter Strobl: Der VP-Bürgermeister in Eberau, der mit den umstrittenen Asylzentrum-Plänen seine liebe Not hatte, macht als Gemeinderat weiter und kennt die Sorgen: „Ich denke, dass jeder Bürgermeister etwas Gutes bewegen will – aber es gibt leider viele Angriffspunkte und Belastungen.“