Erstellt am 22. Mai 2016, 18:10

Kopf-an-Kopf-Rennen um Hofburg. Die Stichwahl um das höchste Amt im Staat bringt einen spannenden Abend.

 |  NOEN, APA
Bei der jüngsten Hochrechnung liegen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer gleichauf. Die Entscheidung über den Ausgang der Bundespräsidentschaftswahl dürfte also scheinbar vertagt werden. Laut den Hochrechnern der ARGE Wahlen ist das Ergebnis vom Sonntag zu knapp, um noch am Wahlabend klar auszumachen, ob Hofer oder Van der Bellen den Urnengang für sich entschieden haben. Ausschlaggebend werden damit die Briefwahlstimmen, deren Auszählung erst am Montagabend vorliegen wird.

Laut den Hochrechnung sowohl von ARGE Wahlen wie auch SORA/ORF liegen die beiden Kandidaten buchstäblich Kopf-an-Kopf. In der jüngsten SORA-Hochrechnung lagen sowohl der Ex-Grünen-Chef als auch der FPÖ-Kandidat bei je 50 Prozent. In den Hochrechnungen ist bereits eine Briefwahlstimmen-Schätzung berücksichtigt.

Somit wird auch das vorläufige Endergebnis vom Sonntagabend keinerlei Klarheit schaffen. Denn dieses berücksichtigt nur die am Sonntag ausgezählten Stimmen, nicht aber die Briefwahlstimmen.

Hofer siegt im Burgenland

Deutlich abgesetzt hat sich der Freiheitliche in seiner Heimat Burgenland, in Kärnten und der Steiermark. Auch Niederösterreich wird an Hofer gehen, während sich in Oberösterreich eine leichte Mehrheit für Van der Bellen andeutet. Bereits fertig ausgezähltes Van der Bellen-Land ist Vorarlberg. Auch Wien (laut Prognosen) und vermutlich Tirol dürften an den Grünen gehen. Insgesamt gilt: die ländlichen Regionen sind tendenziell pro-Hofer, die Städte auf Seiten Van der Bellens.

Bei der Stimmabgabe hatten sich beide Kontrahenten zuversichtlich gezeigt. Hofer, der in Begleitung von Frau und Tochter in seinem Wahllokal im burgenländischen Pinkafeld erschien, prognostizierte 52 Prozent für sich und versicherte skeptischen Auslandsjournalisten auf Nazi-Vorhaltungen, dass er "really ok" und "keine gefährliche Person" sei.

Van der Bellen kam ebenfalls von seiner Frau begleitet in sein Wiener Wahllokal und zeigte leichte Zuversicht: Er sei "vorsichtig optimistisch".

Vorerst keine Stellungnahmen der Kandidaten

Angesichts des knappen Ausgangs gab es vorerst noch keine Stellungnahmen der Kandidaten. FP-Generalsekretär Herbert Kickl zeigte sich aber überzeugt von einem Erfolg Hofers, den er als "Sieg der Glaubwürdigeit" werten würde. Van der Bellen-Wahlkampfleiter Lothar Lockl sprach von einem Foto-Finish. Nicht unwahrscheinlich war, dass erst mit Auszählung der (fast 900.000 beantragten) Wahlkarten klar ist, wer das Rennen um die Nachfolge von Heinz Fischer macht.

Dieser hielt sich bis zuletzt bedeckt. Bei seiner Stimmabgabe am Nachmittag wollte er nicht kundtun, wem er den Vorzug gegeben hat. Mit seinem Auszug aus der Hofburg nach zwölf Jahren hat er kein Problem. Es sei "Zeit für einen Wechsel", er habe eine interessante Zeit hinter sich.

Ohnehin ist Fischer noch eine Zeit im Amt. Erst am 8. Juli wird sein Nachfolger von der Bundesversammlung angelobt.

x  |  NOEN, (APA)