Erstellt am 04. März 2013, 21:20

Kräuter nun Anwalt für das Volk statt für die Partei. Günther Kräuter (56) soll Volksanwalt werden. Zwar scheint der Job für ihn wie geschaffen, dennoch ist es für den steirischen Parlamentsroutinier wohl doch etwas enttäuschend, gerade einmal ein halbes Jahr vor der Nationalratswahl die Parteizentrale räumen zu müssen.

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Zum Verhängnis wurde ihm weniger sein von Beginn an getrübtes Verhältnis zu Co-Geschäftsführerin Laura Rudas als die Schlappen bei EU-Wahl und Wehrpflicht-Volksbefragung.

Kräuter galt im Nationalrat, dem er schon eine gefühlte Ewigkeit angehört, immer als einer der netten. Stets freundlich, zwar nicht uneitel, aber auch das auf eine sympathische Art wirkt der Steirer so, als könnte er keiner Fliege etwas zu leide tun. Will er auch nicht wirklich und war letztlich deshalb vielleicht doch nicht die Idealbesetzung im rauen Business der Partei-Geschäftsführer.

Geboren ist Kräuter in Leoben, zwischen Weihnachten und Silvester 1956, genauer am 30.12.. Nach der Matura probierte er es in seiner Geburtsstadt kurz an der Montan-Uni mit dem Studium des "Bergwesens". Schnell ging es aber weiter ans Grazer Juridicum, wo er auch promovierte. In der Politik fasste der langjährige Mitarbeiter der Kinderfreunde Fuß, als er im Regierungsbüro der steirischen Landesregierung als Sekretär anheuerte. Klubsekretär im steirischen SPÖ-Landtagsklub war er, Landesbeamter ab 1992, Oberregierungsrat seit 1998.

Zu diesem Zeitpunkt saß Kräuter schon über Jahre im Nationalrat, wo er mittlerweile nach Josef Cap der zweit längst gediente rote Mandatar ist. Bereits am 22.10.1991 wurde er angelobt. Dass er nie wieder wegmusste, lag auch daran, dass er sich den Bezirksparteivorsitz der SPÖ Graz/Umgebung sicherte. Denn ganz brav war Kräuter nicht immer. So war er etwa einer jener Abgeordneten, die 1997 gegen die Klublinie mit dem Großteil der Opposition gegen Rasterfahndung und Lauschangriff stimmten.

Im Nationalrat wurde Kräuter vor allem als Rechnungshofsprecher (seit 2001) bekannt, er verpasste sich sogar eine persönliche Homepage mit der Adresse http://www.rechnungshofsprecher.at/ . Besonders ins Zeug warf er sich noch dazu im Eurofighter-U-Ausschuss, wo er mit Herz an der Aufdeckung vermeintlicher Ungereimtheiten unter Schwarz-Blau mitwirkte.

In der Parteizentrale angekommen hatte Kräuter dann eine andere Leidenschaft entdeckt. Den Kampf für Vermögenssteuern focht kaum einer so leidenschaftlich wie er - was wunder, hatte doch sein Landesparteichef Franz Voves die Debatte parteiintern erst so richtig losgetreten.

Ein offenes Geheimnis ist, dass Kräuter und Rudas in der Zentrale nie optimal harmonierten, wohl einer der Gründe, dass es in den letzten fünf Jahren in der Löwelstraße nie so recht rund lief. Der historische Tiefstand bei der EU-Wahl blieb ebenso an der Zentrale hängen wie die empfindliche Schlappe bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht. Für Kräuter besonders bitter: Er war auch noch für jenen Parteitag im Vorjahr zuständig, bei dem Werner Faymann das historisch schlechteste Ergebnis eines Parteivorsitzenden kassierte.

Wenig angenehm für Kräuter war auch, die finanziell nicht gerade auf rote Rosen gebettete Partei sanieren zu müssen. Langgediente Sekretäre mussten weichen, die Parteibuchhandlung sperren - Probleme, mit denen sich nun Nachfolger Norber Darabos herumschlagen muss, während sich Kräuter den Nöten der Bürger als Volksanwalt widmen kann, ein Job, der ihm passen sollte.

Privat weißt man von Kräuter, dass er seit 1983 mit einer Lehrerin verheiratet und Vater von zwei Töchtern ist. Gerne tritt er auf den Fußball, weitere Leidenschaft Kräuters ist das Angeln. Er ist seit einigen Jahren Vorsitzender der steirischen Arbeiterfischer.