Erstellt am 16. März 2016, 06:34

von Markus Stefanitsch

KRAGES- und Ärzte-Boss: „Da werden wir nie zusammenkommen“. KRAGES-Geschäftsführer René Schnedl und Ärztekammer-Präsident Michael Lang im BVZ-Interview über Spitals-Management, das Krankenhaus Oberwart und zufriedene Ärzte.

KRAGES-Geschäftsführer René Schnedl (re.) und Ärztekammer-Präsident Michael Lang im BVZ-Interview.  |  NOEN, Wolfgang Millendorfer

BVZ: Sind Ärzte die besseren Krankenhaus-Manager?
Michael Lang: Es gibt eine Studie aus Amerika, die besagt, dass überall dort, wo ein Arzt im Management an führender Stelle ist, sowohl die Qualität als auch die Patientenzufriedenheit und die finanzielle Situation besser abschneiden. Ich bin überzeugt, dass man nicht dahinwirtschaften kann. Es gehört ein hohes medizinisches Verständnis dafür, um ökonomisch arbeiten zu können. Daher bin ich der Meinung, dass medizinisches Know-How in die höchste Führungsebene gehört. Das machen andere Bundesländer auch vor.

„Der Vorteil des Burgenlandes sind die
kurzen, schnellen Entscheidungswege“
René Schnedl

Herr Geschäftsführer, warum sitzt kein Arzt im Führungsteam der KRAGES?
René Schnedl: Der erste Punkt: Der amerikanische Markt ist nicht mit unserem vergleichbar. Wir als Landes-Träger müssen jeden Patienten behandeln, was auch unserem sozialen Grundsatz entspricht. Ich selbst stamme aus einem medizinischen Segment als Radiologietechnologe und absolvierte in weiterer Folge drei berufsbegleitende Studien in den Bereichen Informatik und Elektrotechnik, Gebäudetechnik sowie Gesundheitsökonomie. Es wird in Zukunft Usus sein, dass man im führenden Management breiter aufgestellt sein wird müssen. Die Forderung nach Medizinern im  geschäftsführenden Management erscheint verständlich aber nur bedingt nachvollziehbar, da dann auch jede andere Gruppe (Pflege, Technik, MTD usw.) mitunter das gleiche Recht zugestanden werden müsste. Die Geschäftsführungssitzungen wären dann sicherlich interessant aber nur eingeschränkt entscheidungsfähig. Der Vergleich mit anderen Bundesländern hinkt ein wenig, da hier scheinbar mehr einem Stand und weniger dem Bedarf Schuldigkeit getragen wurde.
Lang: Ich bin mir bewusst, dass wir beide da nie zusammenkommen werden, weil wir von zwei ganz unterschiedlichen Standpunkten ausgehen. Das muss man akzeptieren. Ich vertrete meinen Standpunkt, weil ich erlebt habe, wie aus rein ökonomischen Gründen Leistungen reduziert worden sind. Daher bin ich der tiefsten Überzeugung, dass es ein duales System an der Spitze braucht.
Schnedl: Trotz all dem würde sich dann noch immer die Frage nach dem Fachgebiet des Mediziners stellen – ein Chirurg, ein Internist oder doch ein Radiologe? Die Liste der Fachgebiete und der unterschiedlichen Meinungen könnte man unendlich verlängern. Die Schwierigkeit der Vermittlung der Gradwanderung zwischen Qualität und Ökonomie gelingt uns heute schon kaum bei den Abteilungsvorständen. Der wirtschaftliche Faktor ist ein entscheidender, aber er darf nicht der entscheidende werden, da haben Sie schon recht.

Im Jänner wurde die gemeinsame Ärztliche Leitung der Krankenhäuser beendet. Wie stehen Sie zu Spitals-Verbünden?
Lang: Bei den Verbünden ist das geschehen, was wir befürchtet haben – dass bei Erhebungen herausgekommen ist, dass sie eigentlich nicht funktionieren. Es wäre schön gewesen, seinerzeit das Konzept so zu managen, wie wir es präsentiert hatten. Von Kammer-Seite habe ich damals schon gesagt: Der Primar ist die Fachkompetenz an jeder Abteilung. Bei den Multi-Primariaten hat sich eben herausgestellt, dass sie nicht handelbar sind.
Schnedl: Der Grundgedanke war gut, aber der Erfolg des Vorhabens hat sich leider nicht eingestellt. Der Mut zu korrigieren, ist manchmal das Wichtigste. Wir haben uns eine Ausbildungskoordination erwartet, wir haben uns in der härtesten Zeit einen Austausch von Fachpersonal zwischen den Häusern erwartet, das ist beides nicht passiert. Der Vorteil des Burgenlandes sind die kurzen, schnellen Entscheidungswege – und wir haben uns davon verabschiedet, als wir mit den Verbünden begonnen haben. Nach Auflösung der Verbünde gingen die Leistungskennzahlen im zweistelligen Bereich nach oben und das zeitgleich mit der Manifestierung einer internationalen Qualitätszertifizierung (KTQ).
 
Wie sehen Sie die Zukunft zum Neubau des Krankenhauses Oberwart?
Lang: Es beschäftigt die Kollegenschaft wenig. Die Ärzte wollen ein Umfeld, in dem sie arbeiten können – ob das jetzt ein Neubau oder ein Altbau ist, das berührt sie nicht so sehr. Die Kostenfrage belastet den Kollegen nicht.

x  |  NOEN, Millendorfer

Das heißt, da vertrauen Sie voll auf den Geschäftsführer …
Lang:
Mit Vertrauen hat das nichts zu tun, wenn ich so sagen darf, nicht bös sein. Das ist sein Job, da mische ich mich nicht ein und gehe davon aus, dass das funktionieren wird. Für Sie ist es wahrscheinlich wesentlich belastender als für die Ärzteschaft des Burgenlandes.
Schnedl: Man kennt das ja von der eigenen Baustelle, dass man bei einer funktionierenden Umsetzung selbst als Bauherr vor Ort sein muss. Deshalb werden wir ein eigenes Team aufstellen, mit Technikern und Planern, die Erfahrung mit Großprojekten aufweisen.  Es wird auch ein Organisations-Analytiker dabei sein, der sehr viel mit den Ärzten, der Pflege, den Verwaltungsmitarbeitern interagieren wird. Ich werde mich auch selbst des Öfteren in diese Kommissionen aktiv miteinbringen, da uns jeder Fehler die nächsten 30 oder 40 Jahre verfolgen wird. Wir wollen uns verbessern und kürzere, effizientere Strukturen mit diesem Neubau schaffen . Dieser Neubau bedeutet sicherlich eine einzigartige Chance, die aber auch unter dem Gesichtspunkt der Leistbarkeit stehen muss. Zweibettzimmer für alle, wie im Krankenhaus Nord, wird es bei uns leider nicht geben können. Wenn wir für die Infrastruktur so viel Geld ausgeben, dass keines mehr für die Medizin bleibt, bringt uns das beste Zimmer nichts.
 
Wie beurteilen Sie die Standortgarantie für alle fünf burgenländischen Spitäler?
Lang:
Aufgrund der geographische Situation macht die Standortgarantie für die Patientenversorgung sicherlich Sinn. Der Teufel liegt natürlich im Detail: Wenn, dann sollte auch eine gewisse Versorgungsgarantie inkludiert sein – dass dort auch Leistungen erbracht werden, die Sinn machen. Wir brauchen einen medizinischen Anreiz für die jungen Kollegen und die Chance, ausbilden zu können.
Schnedl: Jedes Haus muss etwas Einzigartiges leisten, damit ist auch die Standortgarantie gewährleistet. Das heißt: nicht wegnehmen, sondern zuordnen. Dass wir Häuser-übergreifend ausbilden müssen, werden wir nicht umgehen können. Wir haben auch eine große Verantwortung  allen Mitarbeitern gegenüber. Ich komme aus einer Region in der Steiermark, in der das Spital den größten Arbeitgeber darstellt. Die Rückholung der Küchen in unseren Einflussbereich und das Zählen auf regionale Lieferanten, gewährleistet unseren PatientenInnen eine qualitativ hochwertige Speisenversorgung.

x  |  NOEN, Millendorfer

Herr Präsident, welche drei Punkte würden Sie sofort umsetzen, wenn Sie KRAGES-Geschäftsführer wären?
Lang:
Das Allerwichtigste ist, dass wir ausreichend Personal haben, auch um das Arbeitszeitgesetz entsprechend erfüllen zu können. Das passiert ja, aber mit einem hohen Druck. Ich würde mich unheimlich intensiv mit der Ausbildung auseinandersetzen, aber das ist nichts, wo wir beide auseinanderdriften: Ausbildung eines der wichtigsten Themen. Die Leute, die in der Ausbildung gut gesinnt sind, die bleiben uns auch. Der dritte Punkt ist, dass ich alles zur Entlastung von sinnlosen Arbeitsschritten machen würde, also die möglichst rasche Schaffung eines guten, schlanken IT-Systems.

Herr Geschäftsführer, was wünschen Sie sich für die künftige Zusammenarbeit?
Schnedl: Als Arbeitgeber wünscht man sich zunächst immer die Möglichkeit eines Konsens. Ausbildung ist für alle Berufsgruppen natürlich das Wichtigste. Wer selbst ausbildet, wird gewinnen. Unser Kernaspekt wird sein, die Ausbildung für alle Berufsgruppen qualitativ zu heben, damit die langfristige Zufriedenheit aller gewährleistet werden kann. Und ich werde alle möglichen Entlastungen im administrativen Bereich voll ausschöpfen, aber auch viele Tätigkeiten hinterfragen, die noch aus der Historie geblieben sind.