Erstellt am 17. November 2012, 19:54

Kritik an Stronachs Interview-Autorisierung. Wer mit Neo-Politiker Frank Stronach ein Interview führen will, muss sich offensichtlich schriftlich verpflichten, dieses vor Veröffentlichung von vorne bis hinten autorisieren zu lassen - das Magazin "Datum" veröffentlichte ein entsprechendes Formular.

Eine solche Vereinbarung ist laut der Medienanwältin Maria Windhager rechtlich bindend. Der Journalisten Club fordert nun ein Interview-Boykott. Stronach selbst begründet die Maßnahme damit, dass er "einige sehr schlechte Erfahrungen mit manchen Medien gemacht" habe. "Ein Federstrich kann vernichtender sein als ein geladener Revolver", warnte er die schreibende Zunft.

Wie "Datum" berichtete, sollen Journalisten mit der vorgefertigten Erklärung namentlich zustimmen, vor einer Veröffentlichung von Gesprächen und Interviews mit Stronach "den gesamten Interviewtext" der Leiterin des Stronach "Instituts für sozialökonomische Gerechtigkeit""zur Einsicht und schriftlichen Freigabe" zu senden. "Ich schicke auch Titel und Einleitung zur etwaigen Richtigstellung von Fakten zu", heißt es in dem veröffentlichten Formular. Und außerdem: "Falls die Autorisierung des Interviews nicht erteilt wird, werde ich weder den Umstand des Interviews noch das Gespräch ganz oder auszugsweise veröffentlichen."

Eine solche Erklärung ist eigentlich eine zivilrechtliche Vereinbarung, erläuterte Medienanwältin Windhager. Wenn man als Journalist eine Autorisierung mündlich oder schriftlich ausmacht, ist man auch daran gebunden.

Eine Missachtung der Vereinbarung kann in erster Linie eine Unterlassungsklage zur Folge haben - wegen der Wiederholungsgefahr auch nach der Veröffentlichung. Das sei nicht ohne, "das ist wie ein Maulkorb", meinte Windhager.

Scharfe Kritik kommt vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). "Dies verstößt eindeutig gegen die Grundregeln der Pressefreiheit, die blutig erkämpft wurden", sagte ÖJC-Präsident Fred Turnheim. Als Antwort auf den "Maulkorb des Herrn Stronach" plädiert Turnheim für einen Interview-Boykott gegen den Milliardär.

Das Team Stronach reagierte auf die scharfe Kritik. Zwar hielt der Pressedienst des Team Stronachs fest, dass die Autorisierung von Interviews international üblich sei. Dies sei nicht als ein Angriff auf die Pressefreiheit zu werten und die Vorwürfe hinsichtlich "Zensur" seien haltlos. Da Journalisten dies aber so auffassen könnten, sei die Erklärung aktualisiert worden. Der ÖJC bezeichnete die Änderung als "Augenauswischerei".