Erstellt am 08. Januar 2013, 11:45

Kurz will Sprachförderung gesetzlich verankern. Integrations-Staatssekretär Kurz will das Schulpflichtgesetz ändern und die Beherrschung der deutschen Sprache als Kriterium für die Schulreife verankern.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) und Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (V) verstehen einander beim Thema Sprachförderung nach wie vor nicht ganz. Während Kurz am Dienstag eine Änderung des Schulpflichtgesetzes verlangte, mit der Deutsch als Kriterium für die Schulreife festgeschrieben werden soll, plädierte Schmied für eine "differenzierte Herangehensweise". Im Rahmen dieser soll etwa die Schuleinschreibung neu geregelt werden.

Hintergrund der Debatte ist die Diskussion um eigene Deutschklassen für Kinder mit Sprachproblemen. Derzeit ist ein Kind dann schulreif, "wenn angenommen werden kann, dass es dem Unterricht in der ersten Schulstufe zu folgen vermag, ohne körperlich oder geistig überfordert zu werden". Folge einer Einstufung als nicht schulreif ist der Besuch einer Vorschulklasse - was der Kurz'schen Vorstellung eigener Sprachklassen nahekäme. Derzeit sind mangelnde Deutschkenntnisse allein aber kein Grund für die Verweigerung der Schulreife. Beherrscht ein Kind lediglich kein Deutsch und ist ansonsten schulreif, muss es als außerordentlicher Schüler in die erste Klasse Volksschule aufgenommen werden.

Kurz untermauert seine Forderung mit der Vorgangsweise des Wiener Stadtschulrats, wonach nur Schüler mit ausreichenden Deutschkenntnissen mit der 1. Klasse Volksschule beginnen dürfen und Kinder mit Sprachproblemen in Vorschulklassen speziell gefördert werden. Dieses Modell bedürfe einer gesetzlichen Deckung.

Die Ministerin sieht dies anders und hält die Wiener Vorgehensweise bereits jetzt für gesetzeskonform. Die automatische Einordnung von Kindern mit Sprachproblemen in Vorschulklassen hält sie für zu eindimensional. So gelte es etwa die unterschiedliche Situation zwischen Ballungsräumen und ländlichen Gebieten zu beachten, heißt es in einer Punktation. Ob eine Förderung in der Vorschule sinnvoller ist oder eine integrative Förderung in der "normalen" Klasse, solle jeweils am Standort entschieden werden. Neu gestaltet werden soll die Schuleinschreibung: So könnten etwa die Kindergärtnerinnen stärker einbezogen werden und eventuell beim Aufnahmegespräch mit dabei sein. Ein mit Experten und Praktikern abgestimmtes "seriöses Konzept" zur Sprachförderung soll im März stehen, so Schmied, die sich damit von "medialen Schnellschüssen" abgrenzen will.

Dass die Frage der Schulreife und damit die Aufnahme in eine Vorschulklasse oder die erste Klasse Volksschule derzeit bundesländerweise unterschiedlich behandelt wird, zeigt ein Blick auf die Statistik: Während im Burgenland, der Steiermark (je zwei Prozent) und in Kärnten (drei Prozent) kaum Kinder in die Vorschule kommen, sind es in Vorarlberg und Salzburg 17 bzw. 18 Prozent. Wien kommt auf elf Prozent, der Österreich-Schnitt liegt bei neun Prozent.

BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner schlägt sich auf die Seite Kurz'. Dessen "sinnvolle Forderung nun sofort per Gesetz festzuschreiben, zeigt sein Agieren mit Weitblick, das weitere Zögern Schmieds dazu ist aber ein Verharren in der schulpolitischen Steinzeit.“ Sie verlangt zudem, dass Mütter mit ihren Kindern zu Hause Deutsch reden. Die Grünen fordern unterdessen mehr Förderstunden und zusätzliche Lehrer für den Spracherwerb: „Von sechsjährigen schulreifen Kindern kann man durchaus erwarten, dass sie Deutsch und Lesen gleichzeitig lernen - ausreichend Unterstützung vorausgesetzt", so Integrationssprecherin Alev Korun. Der Wiener FP-Klubobmann Johann Gudenus sieht die derzeitige Diskussion als Erfolg der FPÖ.


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