Erstellt am 25. September 2016, 09:44

Kinderbetreuung: Kaum Investitionen in Öffnungszeiten. Die Millionen des Bundes zum Ausbau der Kinderbetreuung werden von den Ländern kaum für eine Verbesserung der Öffnungszeiten verwendet. Das zeigt eine Auswertung des Familienressorts.

Karmasin nur mit Anzahl der Betreuungsplätze zufrieden  |  APA

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hätte gerne mehr Tempo und will nun mit den Ländern Gespräche führen. Immerhin 100 Millionen Euro gab es 2015 für die Länder beim Bund abzuholen, um sie in eine bessere Kinderbetreuung zu stecken. Schwerpunkt des entsprechenden Bund-Länder-Vertrags ist der Ausbau der Plätze für Kinder unter drei Jahren.

Im Kindergartenjahr 2015/2016 verzeichnete man fast 5.000 Plätze mehr für die Kleinsten. "Die Mittel werden schon so verwendet, wie sie intendiert sind", meinte Karmasin, der Ausbau funktioniere gut.

Wirklich zufrieden ist die Ministerin dennoch nicht, denn in die Qualität wurde von den Bundesmitteln kaum etwas investiert: 44,4 Prozent der Mittel aus dem Vorjahr flossen in den Ausbau der Betreuungseinrichtungen für Unter-Dreijährige, 18,6 Prozent wurden für Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren verwendet.

Öffnungszeiten zum Teil sogar verkürzt

In die räumliche Qualitätsverbesserung floss gut ein Viertel der Mittel (25,7 Prozent). Nur 2,7 Prozent des Geldes (2,6 Mio. Euro) wurden dagegen in die Verbesserung des Betreuungsschlüssels gesteckt, überhaupt nur 0,44 Prozent (425.000 Euro) in die Erweiterung der Öffnungszeiten.

In den meisten Bundesländern haben sich sowohl die täglichen Öffnungszeiten als auch die Schließtage pro Jahr nur leicht verändert. Teilweise ging der Anteil der Krippen und Kindergärten, die mehr als neun Stunden pro Tag und mehr als 47 Wochen im Jahr geöffnet haben, sogar ein bisschen zurück. Einzig Vorarlberg verbesserte sich bezüglich der Jahresöffnungszeit deutlich.

"Dynamik könnte schneller sein"

Es passiere zwar etwas, aber "die Dynamik könnte noch ein wenig schneller sein", findet die Ressortchefin. Sie werde mit den Ländern besprechen, dass Qualitätskriterien wie Öffnungszeiten und Betreuungsschlüssel "ein weiterer Schwerpunkt sein sollen", kündigte Karmasin  ihr Vorhaben fürs nächste Jahr an.

Anfang November sei ein Gespräch mit den zuständigen Landesräten vereinbart. Da will die Ministerin den Ländern auch transparent darlegen, dass noch genug Bundesgeld für die Verbesserung der Öffnungszeiten vorhanden wäre. Ihr Ziel sei es, bis 2018 noch 20.000 Plätze zu schaffen, die mit einer Vollbeschäftigung der Eltern vereinbar sind.

Insgesamt stellt der Bund den Ländern zwischen 2014 und 2017 305 Mio. Euro zur Verfügung - je 100 Mio. in den Jahren 2014 und 2015, je 52,5 Mio. 2016 und 2017. Die Länder müssen diese Mittel zu einem gewissen Teil kofinanzieren.