Erstellt am 29. April 2015, 09:30

von Michaela Grabner

Kölly: „Parteipolitik gehört weg“. Manfred Kölly, Spitzenkandidat vom Bündnis Liste Burgenland, sprach mit der BVZ über „Ausmisten“ in der Politik und mögliche Szenarien nach der Landtagswahl.

Manfred Kölly, Spitzenkandidat vom Bündnis Liste Burgenland.  |  NOEN, Michaela Grabner

BVZ: „Jetzt ausmisten“ lautet Ihr Slogan für die Wahl. Wo muss im Burgenland Ihrer Meinung nach ausgemistet werden?
Kölly: In der Politik. Das Land braucht andere Politiker, die für die Menschen arbeiten und nicht nur für Parteien und die nicht nur vor der Wahl, sondern während der gesamten Periode mit den Menschen Probleme diskutieren und etwas umsetzen. Es ist notwendig, dass es jemanden im Landtag gibt, der gewisse Dinge aufzeigt, wie zum Beispiel dass das Land 100 Dienstautos im Voranschlag hat, offiziell gibt es 162. Da gehört Klarheit geschaffen. Wir wollen nicht kritisieren, wir wollen mitarbeiten. Und wir wollen nicht nur verwalten, sondern gestalten wie in den Gemeinden, wo wir Bürgermeister, Vize und Gemeinderäte haben. Nicht nur reden auch handeln ist unser Motto. Wir sind keine Partei, sondern ein Verein, wo alle mitarbeiten können.

„Wenn es gute Dinge gibt, stehe ich dazu,
sonst bin ich kritisch“

Würden Sie sich nach der Wahl gerne als Landesrat bezeichnen können?
Ich hätte kein Problem damit, weil ich genug Erfahrung habe und aus der Wirtschaft komme.

Angesichts der Debatten um mögliche Koalitionen. Gibt es eine Partei, mit der Sie nicht zusammenarbeiten würden?
Wir haben mit keiner Partei Berührungsängste. Wir werden uns aber nicht anbiedern, um in die Regierung zu kommen, sondern sachlich Themen diskutieren und wo es möglich ist, umsetzen. Viel mehr Transparenz zu schaffen, wird eine wichtige Forderung sein, wenn wir in Verhandlungen gehen. Es muss für die Menschen klar erkennbar sein, dass wir keine Parteipolitik, sondern Politik für die Menschen machen. Wenn es gute Dinge gibt, stehe ich dazu, sonst bin ich kritisch. Und wenn es Fehler gibt, soll man diese offen und ehrlich ausdiskutieren und nicht immer den anderen in ein schiefes Licht rücken. Man sieht in den Gemeinden, dass man mit der Bevölkerung viel bewegen kann.

Wie geht es weiter, sollte das Bündnis Liste Burgenland nicht den Einzug in den Landtag schaffen?
Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen. Die Leute kommen auf uns zu.

„Wollen eine gewisse Stärke zu erreichen
sowie SPÖ und ÖVP Paroli bieten“

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Team Stronach? Inwieweit kann die LBL vom gemeinsamen Antreten profitieren?
Es ist von Haus aus so gewesen, dass wir mit allen Kleinparteien Bündnisse schließen wollten, um eine gewisse Stärke zu erreichen und SPÖ und ÖVP Paroli bieten zu können. Gelungen ist dies nur mit dem Team Stronach, bei dem sich engagierte Persönlichkeiten einbringen und ein Teil der Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Wir bringen den Löwenanteil an finanziellen Mitteln ein. Ich halte im Prinzip wenig von Wahlplakaten, aber wenn man nicht mitmacht, hat man ein Riesenproblem.

Bei welchen Themen sind Sie nicht einer Meinung mit dem Team Stronach?
Natürlich gibt es auch unterschiedliche Auffassungen. Das Team Stronach hat keine Bürgermeister oder Gemeinderäte vor Ort. Für mich ist vorrangig, dass die Gemeinden gestärkt werden sollen, sie haben dort eine andere Meinung. Wir wollen Leute motivieren mitzutun, um bei der Gemeinderatswahl 2017 Persönlichkeiten zu haben, die für die Gemeinden kandidieren. Wir bereiten uns jetzt schon vor auf die Gemeinderatswahl, egal wie die Landtagswahl ausgeht.

„Bürokratie ist nicht weniger geworden,
sondern mehr, das gehört geändert“

Für die Landesliste wurden weitere prominente Namen angekündigt. Können Sie da schon welche verraten?
Diese werden erst beim Abgabetermin der Liste am Freitag bekannt gegeben. Es hätte zum Beispiel jemand kandidieren wollen, aber er wurde bei Bekanntwerden von der Firmenleitung zurückgepfiffen.

Mit welchen Schritten will das Bündnis Liste Burgenland das Leben der Burgenländer verbessern?
Vor allem braucht es Arbeitsplätze. Wenn es die nicht gibt, ist der soziale Frieden nicht gegeben. Derzeit gibt es 58.000 Pendler im Burgenland, weil diese im Land keine adäquaten, sprich entsprechend bezahlten, Arbeitsplätze bekommen. Das Lohnniveau muss also angehoben werden. Bürokratie ist nicht weniger geworden, sondern mehr, das gehört geändert. Klein- und Mittelbetriebe gehören von Land und Gemeinden ehrlich unterstützt. In die Bildung sollte man viel mehr investieren. Die Lebensqualität in den Gemeinden soll durch öffentliche Mobilität gestärkt werden und es kann nicht sein, dass wir eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Medizin haben. Auch hier gehören andere Ansätze. Dass man bei der Proporz-Abschaffung nicht in der Politik gespart hat – zum Beispiel zwei Mitglieder weniger in der Regierung oder 30 statt 36 Abgeordnete – tut mir am meisten weh. Man braucht auch keine drei Geschäftsführer in einem Müllverband. Die Parteipolitik gehört weg.