Amstetten

Erstellt am 17. Juli 2017, 11:15

von Hermann Knapp

Kreuz und rote Fahne: Kiermaier präsentierte Buch. Günter Kiermaier präsentierte ein Buch mit viel Stoff zum Nachdenken über Politik, Gott und die Welt.

Viele SP-Granden mit Bürgermeisterin Ursula Puchebner und Nationalrätin Ulrike Königsberger-Ludwig an der Spitze waren gekommen, um sich von Günter Kiermaiers Gedanken und Erinnerungen inspirieren zu lassen.  |  NOEN, Zarl

Einer wie Günter Kiermaier kann viel erzählen – von der Nachkriegszeit, die er als Kind miterlebt hat, von der Anna-Tante, durch die er mit der Sozialdemokratie in Berührung kam, von Laienbruder Leopold Schauer, der ihm Don Bosco nahe brachte und natürlich auch von seinen Jahren als sozialdemokratischer Politiker.

136 Seiten umfassen Kiermaiers Lebenserinnerungen, die unter dem bezeichnenden Titel „Mit Kreuz und roter Fahne“ erschienen sind.

„Ich verstehe mich als Brückenbauer“

Dass ein sozialdemokratischer Politiker sich so ungeniert und klar zur Kirche und zum Glauben bekennt, war und ist doch eher ungewöhnlich. „Ich verstehe mich als Brückenbauer, denn die menschlichen Tugenden, die zu den Grundsätzen der sozialdemokratischen Partei zählen, wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität sind biblischen Ursprungs“, sagt Kiermaier.

Auf den Papst setzt er große Hoffnungen, weil dieser verkrustete Strukturen im Vatikan aufbricht und zudem Auswüchse des Kapitalismus kritisiert, die auch dem Nationalrat a. D.
sauer aufstoßen. Das Wort „Freisetzung“ findet Kiermaier „widerwärtig“ und auch dem Spruch „Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut“, kann er gar nichts abgewinnen. „Ich war ja selbst jahrelang Vizepräsident der Wirtschaftskammer und Gewerbetreibender, aber ich finde, es müsste heißen: „Geht es allen gut, geht es auch der Wirtschaft gut.“

Seinen politischen Nachfolgern rät Kiermaier, nie die Menschen aus den Augen zu verlieren und eine Sprache zu sprechen, die diese auch verstehen. „Die Leute wollen keine Floskeln, sondern klare und ehrliche Worte.“

Genau die bekamen auch die rund 100 Zuhörer im Saal des Hotel Gürtlers, die am Donnerstagabend zur Buchpräsentation gekommen waren, von Günter Kiermaier zu hören – und zum Schluss das aufrichtige Bekenntnis: „Ich bin noch immer ein glühender Roter!“

Langanhaltender Applaus war der Dank für eineinhalb interessante und kurzweilige Stunden.