Erstellt am 22. August 2013, 22:59

Leitl bekräftigt Kritik am Wirtschaftsstandort. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) hat seine Kritik am Wirtschaftsstandort Österreich bekräftigt.

Österreich sei in zehn von elf internationalen Rankings zurückgefallen, es gehe darum, ob das Land auch in fünf Jahren noch seinen Wohlstand halten könne, sagte Leitl. SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder bezeichnete diese Kritik erneut als "vollkommen fehl am Platz".

Öffentlicher Sektor "zieht uns nach unten", Erneuerung werde verschlafen

Zu seinem kritisierten Begriff, dass Österreich "abgesandelt" sei, erklärte Leitl: "Eigentlich hätte ich abgestürzt sagen wollen, aber das war mir dann zu drastisch."

In der ZiB2 legte Leitl nach, dass uns der öffentliche Sektor nach unten ziehe. Die öffentliche Verwaltung, die Bürokratie seien zu schwach. Reformen gingen viel zu langsam, die Erneuerung werde verschlafen. Die Betriebe hingegen würden Tolles leisten.

Schieder hingegen bekräftigte, dass er diese Kritik schlecht für den Wirtschaftsstandort hält. Österreich sei das 12.reichste Land der Welt und pro Kopf das zweitstärkste in der EU. Nach Ansicht des Staatssekretärs sollte man stattdessen über Reformen reden, etwa im Bereich der Bildung.

Auch IHS-Chef erkennt Gefahren: Ansetzen bei Bildung und Forschung

Wirtschaftsexperten meinen unterdessen, dass der Wirtschaftsstandort Österreich noch relativ gut sei, Reformen aber dringend nötig wären. Wifo-Chef Karl Aiginger, erklärt, dass Österreich unter vergleichbaren Industrieländern "eines der wettbewerbsstärksten Länder" sei.

"Das ist durch eine Reihe objektiver Daten belegbar." Auf seinen Lorbeeren könne sich Österreich aber "ganz und gar nicht" ausruhen, sonst sei die Spitzenposition gefährdet.

Auch IHS-Chef Christian Keuschnigg sieht Leitls "Abgesandelt"-Sager zwar als "eher harte Charakterisierung". Aber auch er erkennt klare Gefahren für den heimischen Standort - vor allem dann, wenn nicht massiv bei Bildung, Forschung und Innovation angesetzt wird.