Erstellt am 29. März 2011, 09:22

Liszt: Virtuose von heute?. LISZTOMANIA / Vier Orte fügen Franz Liszts Bild bis zu seinen Weimarer Jahren zusammen: Bis 11. November zu sehen.

Das Team: Kuratorin Theresia Gabriel, Architekt Klaus-Jürgen Bauer (Ausstellungsgestaltung) und Heidi Vukovits (v.l.) in Raiding.BAURECHT  |  NOEN
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VON DIETMAR BAURECHT

Raiding & Unterfrauenhaid: Ein Schrei durchdringt das Haus. „Le petit Litz“, der angeblich durch Weissagung Großes erreichen sollte, wurde geboren. In der Dorfkirche in Unterfrauenhaid wird das Kind über das Taufbecken gehalten – weitab von den Musikmetropolen der damaligen Zeit. Geboren in der westungarischen Region mit ihren Traditionen und mit einem Vater, der als musikalischer Amateur sein Engagement in die Karriere seines Sohnes legte, wie dies Leopold Mozart für Amadeus getan hatte.

Einfach erging es dem Vater bei der Gründung der Firma „Liszt & Sohn“ nicht (zu sehen im Liszt-Haus Raiding). Von Wien (1822), wo „Franzi“ beste Lehrer hatte, über Paris flog man mit der klaviertechnischen Revolution, den Konzertflügeln der Firma Érard, auf England nieder und gewann. Als der Vater 1827 plötzlich starb – Liszt war 16 Jahre alt –, musste das Wunderkind für sich und seine Mutter durch Musik-Stunden den Lebensunterhalt in Paris bestreiten.

Landesmuseum: Paris war das richtige geistige Pflaster für Liszt. Ein Karikaturen-Fächer zeigt den bekanntesten mit Liszt verbundenen Künstlerkreis in den späteren Jahren um 1837 (im Landesmuseum zu sehen). Der eigentliche Wendepunkt lag aber bereits im Jahr 1831, als Liszt ein Konzert des Teufelgeigers Niccolò Paganini sah. Nun wollte er als Hexenmeister die Saiten schnalzen lassen. Der Perfektion seines Stils hielt so manche Klaviermechanik nicht stand.

Liszt triumphierte, war eins mit dem Klavier, aber nicht der einzige: Pianist Sigismund Thalberg machte dem Platzhirschen Liszt Paris streitig. Ein Klavierduell, das breite Aufmerksamkeit erhielt, war die Folge (1837). Heute würde man von gutem Marketing für beide sprechen.

Verfestigung des  Virtuosentums

Ab 1839 ging es auf seine dritte Tournee über Wien nach Budapest, wo Liszt den Ehrensäbel des ungarischen Adels erhielt (nun im Landesmuseum zu sehen). Heute könnte man diese Würdigung mit einem Ehrenzeichen gleichsetzen. Heine prägte, bezogen auf die Konzerte, in Berlin den Begriff „Lisztomanie“.

Liszt verstand es auch, die Bedürfnis-Klaviatur zu spielen: So ließ er es nicht aus, den patriotischen Warschauern – wie könnte es anders sein – Chopin vorzusetzen. Nach Russland fuhr der Superstar von damals mit einer Luxuskarosse. In Konstantinopel wusste er über die Vorlieben des Sultans ganz genau Bescheid und spielte seine Klavierversion eines Marsches von Gaetano Donizetti. Er beendete die Tour 1847 und hatte sich damit als Klaviervirtuose in das Musikgedächtnis eingebrannt. Das zeigt und dokumentiert die Ausstellung im Landesmuseum Burgenland, die Querbezüge von damals zur Popkultur zieht: zu Zappa, Presley oder den Beatles.

Haydnhaus: 1847 kam Liszt mit seiner neu gewonnenen reichen und intellektuellen Lebenspartnerin in die von ihr gemietete Altenburg in Weimar. Mit dem Kapellmeister-Salär konnte er zwar nur seinen jährlichen Zigarrenkonsum decken – so sein Bonmot –, war aber finanziell abgesichert. Nun hatte er Zeit zum Komponieren und verhalf auch den Opern seines späteren Schwiegersohnes Richard Wagner zum Durchbruch. Bei vielen Jubelfesten, so für Goethes und Schillers jeweils 100. Geburtstag, war er der Musikimpresario.

Alle Ausstellungen (siehe Kasten oben) werden bis 11. November gezeigt.  www.lisztomania.at