Erstellt am 24. Oktober 2012, 11:33

Massive Kritik der Ärzte an Gesundheitsreform. Massive Kritik an der derzeit in Verhandlung befindlichen Gesundheitsreform kommt von der Ärztekammer. Bei den von der Politik diskutierten Plänen gehe es nur um Einsparungen und um Machtspiele, aber nicht um die Versorgung der Patienten, sagte Präsident Wechselberger am Mittwoch.

Die Grundintention der geplanten Reform sei "Sparen, Zurückfahren und Sicherung von Einflusssphären". Es müssten auch "Experten der medizinischen Versorgung" einbezogen werden, reklamierte der Präsident die Ärzte in die Verhandlungen. Wechselberger forderte die Verhandler auf, nicht nur über die Aufteilung der Finanzierung zu streiten, sondern die Menschen in den Fokus zu stellen.

Ein Rätsel ist Wechselberger, wie die geplanten Kostendämpfungen von 3,4 Milliarden Euro bis 2016 ohne Leistungseinschränkungen für die Patienten bewältigt werden sollen. Gespart werde nur bei den öffentlichen Ausgaben, der öffentliche Bereich werde damit finanziell ausgehungert. Die Bevölkerung könne sich dann Leistungen im privaten Bereich kaufen, wenn sie es sich leisten könne. Das widerspreche auch dem im Regierungsprogramm festgeschriebenen Ziel, eine Zwei-Klassen-Medizin zu verhindern.

Der Ärztekammer-Präsident befürchtet, dass der niedergelassene Bereich weiter ausgehungert statt gestärkt werde. Weil es seit zehn Jahren keine zusätzlichen Verträge gebe, fehlten bereits rund 1.300 Kassenstellen. Dabei könnten jährlich rund 330 Millionen Euro eingespart werden, allein wenn 50 Prozent der Ambulanzbesuche von den niedergelassenen Ärzten bewältigt werden würden. Dafür müsste man jedoch in die niedergelassenen Praxen investieren.

Neben dem Ausbau der niedergelassenen Praxen fordert der Ärztekammer-Präsident auch eine Umsetzung des Hausarzt-Modells, in dem der Haus- oder Vertrauensarzt eine Art Gatekeeper oder Wegweiser für das Gesundheitssystem sein soll. Langfristige Einsparungsmöglichkeiten sieht Wechselberger auch in einem Ausbau der Prävention.