Erstellt am 10. April 2013, 10:39

Migration in Schulbüchern vor allem als Problem. Migration kommt in Schulbüchern und in der Wahrnehmung von Schülern vor allem als Problem vor, die vielfältigen Motive für Auswanderung und die Vorteile von Migration werden vielfach ausgeblendet. Das hat das Sparkling Science Projekt "Migration(en) im Schulbuch" ergeben.

Dabei hat ein Forschungsteam des Ludwig Boltzmann-Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit gemeinsam mit Schülern die Darstellung des Themas beforscht und in Workshops diskutiert. Am Mittwoch werden Zwischenergebnisse des Projekts bei einer Tagung an der Uni Wien präsentiert.

Noch immer herrsche in vielen Schulbüchern ein Problemdiskurs vor, erklärte Heidi Weinhäupl, die gemeinsam mit Christa Markom und Christiane Hintermann in dem Projekt tätig war. "Das ist in der Gesellschaft, in der Politik, in den Medien weitverbreitet und die Schulbücher sind da sicher ein Spiegelbild." Migration wird laut der Forscherin oft eindimensional dargestellt: Immer noch stehen eher ökonomische Gründe oder Flucht als Motiv für Auswanderung im Zentrum, freiwillige Migration aus Liebe oder Neugier bekomme kaum Platz.

Es werde auch kaum erwähnt, dass Deutsche eine der zahlenmäßig stärksten Einwanderergruppen sind. Unterdessen werden Türken - die drittgrößte Migrantengruppe in Österreich - im Problemdiskurs hervorgestrichen, vor allem wenn es um die Frage von Integration und Parallelgesellschaften gehe. Noch immer sei ein Diskurs nach dem Motto Mehrheitsgesellschaft versus Migranten bemerkbar.

Immerhin werde in aktuellen Schulbüchern vermehrt darauf hingewiesen, dass Österreich Migration (aus wirtschaftlichen Gründen) braucht und es werde auch gegen das Bild von Migranten als "Sozialschmarotzer" angeschrieben, indem deren Beiträge ins Sozialsystem und Pensionskasse betont werden. Insgesamt gebe es aber kaum Informationen zur aktuellen Situation von Migranten, wie schwer es überhaupt sei, nach Österreich einzuwandern oder die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten.