Erstellt am 28. August 2015, 11:50

Mikl-Leitner fordert mehr Solidarität in der EU. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat einmal mehr größere Solidarität innerhalb der Europäischen Union in der Flüchtlingsfrage gefordert.

 |  NOEN, APA (Archiv)

Um zu einer gemeinsamen Lösung und gerechteren Verteilung von Asylwerbern zu kommen, könne sie sich auch vorstellen, beispielsweise EU-Förderungen daran zu koppeln, "wie man sich solidarisch erklärt", so Mikl-Leitner im Ö1-Morgenjournal am Freitag.

Es gebe verschiedene Ansätze, die man andenken sollte, "damit solidarische Verantwortung"übernommen werde. Man müsse klarmachen, dass man sich in einer Gemeinschaft nicht "Rosinen herauspicken" kann, sondern in einer Krisensituation auch Verantwortung übernehmen müsse, so die Ministerin.

"Wir brauchen Tempo, Tempo, Tempo."

Mikl-Leitner erneuerte zudem ihre Forderung nach UNHCR-Anlaufstellen in den Krisenregionen und an den europäischen Außengrenzen, "damit Menschen auf legalem Weg nach Europa gebracht werden können". Das Flüchtlingsdrama auf der Ostautobahn (A4) im Burgenland sei jedenfalls ein Aufruf zum raschen Handeln. "Wir brauchen Tempo, Tempo, Tempo."

Das Rote Kreuz hat angesichts der zunehmenden Flüchtlingsbewegung in Europa einen "kostenlosen Suchdienst" für Angehörige eingerichtet. "Viele Flüchtlinge werden auf ihrem Weg voneinander getrennt oder verschwinden", sagt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes am Freitag. "Sie verlieren dadurch jeglichen Kontakt zur ihren Familien."

Online-Suchdienst für Angehörige

Die Veröffentlichung des eigenen Fotos - ohne Preisgabe des eigenen Aufenthaltsort und ohne Bekanntgabe von Namen - auf der Website "Trace the Face" könne Flüchtlingen helfen, nach ihren vermissten Angehörigen zu suchen, hieß es weiter. Nach Angaben des Roten Kreuz' haben bereits 300 Menschen im europäischen Raum ihre Fotos hochgeladen."Die meisten Flüchtlinge, die zur Zeit durch die Veröffentlichung ihres Fotos auf ihre Suche aufmerksam machen, kommen aus Afghanistan, Somalia und Syrien", so Schöpfer.

Insgesamt 23 Rotkreuz-Gesellschaften in ganz Europa sind demnach an diesem vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unterstützten Projekt beteiligt. "Das Rote Kreuz setzt alles daran, dass diese Personen Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen erhalten", sagt der Rotkreuz-Präsident, "deshalb ist es wichtig, dass viele Menschen über die Möglichkeit dieser Online-Suche erfahren".

Unterdessen gründetet die Volkshilfe Österreich gemeinsam mit zahlreichen Künstlern eine Plattform, die bessere Flüchtlingsbetreuung und eine Änderung in der österreichischen wie europäischen Asylpolitik fordert. Neben zahlreichen kleineren Aktionen plane "solidART for refugees!" auch die Abhaltung einer Großveranstaltung im Herbst, hieß es am Freitag.

"Antworten der Politik sind die komplett falschen"

"An einem Tag wie diesem fehlen einem die Worte", meine Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger und forderte zum Gedenken an "jene Menschen, die gestern in Österreich tot aufgefunden wurden" auf: Es seien konkrete Menschen mit konkreten Schicksalen, während die Politik Bedrohungsszenarien konstruiere und Menschen zu Ziffern mache. "Als ob wir vor Menschen uns fürchten müssten, die Schreckliches erlebt haben. Die Antworten der Politik sind die komplett falschen. Europa bricht mit seinem zentralen Grundwert, nämlich mit den Menschenrechten."

Fenninger kritisierte die Innenministerin und den Außenminister hart, nahm aber bei seiner Kritik an den Landeshauptleuten Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ausdrücklich aus: "Das einzige Positive der vergangenen Wochen war, dass wir so viele Menschen von Traiskirchen nach Wien bringen durften."

"Die Obdachlosigkeit und die menschenrechtsverletzende Situation von Flüchtlingen in Traiskirchen muss unverzüglich beendet werden", heißt es in den Forderungen der Plattform, die auch "hochwertige Betreuung von Kindern und unbegleiteten Minderjährigen" verlangt. "Fluchtgründe müssen bekämpft werden, nicht die Flüchtenden", so die Plattform.

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