Erstellt am 24. November 2011, 14:22

Muzicant kritisiert Umgang mit Rechtsextremismus. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant, hat einmal mehr den für ihn zu laschen Umgang Österreichs mit dem Rechtsextremismus kritisiert. Vor allem die Aussagen mancher "Kellernazis" unter den FPÖ-Funktionären würden mittlerweile kaum jemanden aufregen.

Versäumnisse sieht Muzicant auch in der heimischen Justiz bei der Verfolgung Rechtsextremer. "Die FPÖ und ihre Vertreter können tun und lassen, was sie wollen, es passiert nichts", ärgert sich Muzicant. Als jüngstes Beispiel nannte er unter anderem eine Aussage des freiheitlichen Generalsekretärs Herbert Kickl, der im Nationalrat von "Davongelaufenen", die nun "verhätschelt" würden, gesprochen hatte. Muzicant sieht darin eine klare antisemitische Aussage, auch wenn Kickl sich im Nachhinein auf "Scheinasylanten" bezogen hatte. "Jeder, der es verstehen wollte, hat es verstanden", so der IKG-Präsident. Während solche Aussagen in Österreich hingenommen würden, hätte Kickl in Deutschland innerhalb weniger Sekunden zurücktreten müssen: "Der wäre im Müll der Geschichte gelandet."

Auch wenn Muzicant die FPÖ nicht als solche kritisieren will, sieht er dennoch auf der einen Seite "einen Kern von Kellernazis". Auf der anderen Seite wiederum stehe Parteichef Strache, "der sich ganz unschuldig vor die Kamera stellt und den Staatsmann spielt". Da würde auch dessen Reise nach Israel nichts nützen: "Da glauben all diese Herrschaften, dass sie einen Persilschein kriegen und plötzlich keine Kellernazis mehr sind." Und weiter: "Strache und Co. würden ohne diesen rechtsextremen Bodensatz nicht existieren."

Mitschuld an den Zuständen sieht Muzicant nicht nur manche Medien, für die vieles schon hoffähig und normal sei: "Ich sehe sehr wohl eine Mitschuld der Regierungsparteien." Diese würden sich eine Möglichkeit lassen, eventuell auch mit der FPÖ zu "fahren".