Erstellt am 31. Januar 2012, 11:35

Nach WKR-Ball - FPÖ fühlt sich weiter absichtlich missverstanden. Die Nachwehen des Balls des Wiener Korporationsrings (WKR) vergangene Woche haben die Politik auch noch am Dienstag beschäftigt. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beklagte via Facebook "bewusste Verdrehungen" in der Berichterstattung über seinen umstrittenen Judenvergleich.

Der Vorarlberger FP-Obmann Dieter Egger stellte sich mit einer Solidaritätsadresse hinter ihn. Die SP-Bundesratsfraktion forderte indes "umfassende Aufklärung" darüber, was genau ihrem früheren Vorsitzenden Albrecht Konecny nach der Gegendemo am Freitag widerfahren ist.

Strache zog auf Facebook gegen seine Kritiker vom Leder, die sich "bewusster Verdrehungen" bedienten, die "Dinge völlig aus dem Zusammenhang" herauslösten und sich "gezielter Verleumdungen und Manipulationen" bedienten. "Ein Armutszeugnis und Sittenbild unserer Zeit und deren Ungeist, jedoch auch deren nervöses Zeichen, dass immer mehr Österreicher und Bürger uns ihr Vertrauen zu Recht schenken!", schrieb er auf seiner Pinnwand.

Vorarlbergs FPÖ-Chef Dieter Egger war überzeugt, dass es sich bei dem Sager "um eine verzerrte und sinngemäß nicht richtige Wiedergabe seitens eines Journalisten" handle, wie er in einer schriftlichen Stellungnahme an die "Vorarlberger Nachrichten", erklärte. Dies sei ihm auch von der Bundespartei versichert worden. Egger hielt in seinem Statement generell fest, dass die Gräueltaten des NS-Regimes mit nichts zu rechtfertigen und zu vergleichen seien. Für die Gegendemos am Freitagabend zeigte er kein Verständnis.

Vorarlbergs FPÖ-Landesparteiobmann war im Landtagswahlkampf 2009 selbst über einen "Juden-Sager" gestolpert, indem er Hanno Loewy, den Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems, als "Exil-Juden aus Amerika in seinem hoch subventionierten Museum" bezeichnet hatte. Daraufhin hatte die ÖVP den Vorarlberger Freiheitlichen einen Sitz in der Landesregierung verwehrt.

Die SPÖ-Bundesratsfraktion zeigte sich unterdessen per Aussendung "fassungslos und entsetzt" über den Angriff auf den früheren Bundesrat Konecny nach der Demonstration. Dieser war eigenen Angaben zufolge von einem Mann mit Schlagring attackiert worden, mehrere Polizisten hätten tatenlos zugesehen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) solle alles unternehmen, um diesen Übergriff aufzuklären, hieß es.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) bezeichnet es schließlich mittlerweile klar als "Fehler", dass sein Name im Ehrenkomitee des WKR-Balls aufgeschienen ist. Ein Mitarbeiter habe die entsprechende Anfrage ohne Rücksprache abgezeichnet, sagte er dem "Standard" (Dienstag-Ausgabe). "Wir haben gelernt, dass man da sehr aufpassen muss."

Spindelegger über Strache-Sager "empört"

Kritik an dem "Juden-Sager" von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache am WKR-Ball ist am Dienstag auch von ÖVP-Chef Vizekanzler Michael Spindelegger gekommen. Strache habe einen Sager losgelassen, für den er sich "nur entschuldigen kann", dass sei das Mindeste, erklärte Spindelegger im Pressefoyer nach dem Ministerrat.

Eine mögliche Koalition mit der FPÖ schloss Spindelegger auf Nachfrage nicht aus: Er habe einen Koalitionspartner und das sei die SPÖ, was nach den nächsten Wahlen sei, "weiß keiner von uns".

Allerdings zeigte der ÖVP-Chef doch deutlich, was er von solchen Aussagen hält: Wer etwas vergleiche, was "unvergleichbar ist und was mich innerlich empört", der müsse schon wissen, dass er sich "außerhalb jeder Möglichkeiten" zur Zusammenarbeit befinde.