Erstellt am 14. Mai 2011, 13:50

Neue Unstimmigkeiten in Causa Buwog. Demnach hat die Investmentbank Lehman Brothers schon Monate bevor sie den Zuschlag erhalten hatte, die Buwog-Privatisierung zu begleiten, mit dem Grasser-Freund Karlheinz Muhr einen Beratervertrag dazu abgeschlossen.

Demnach hat die Investmentbank Lehman Brothers schon Monate bevor sie den Zuschlag erhalten hatte, die Buwog-Privatisierung zu begleiten, mit dem Grasser-Freund Karlheinz Muhr einen Beratervertrag dazu abgeschlossen.

Muhr habe 433.820 Euro erhalten. Der Vertrag habe die Aufteilung der Honorare aus dem Buwog-Verkauf genau geregelt, datiere aber vom 26. April 2002. Damals sei Lehman Brothers offiziell noch nicht mit der Buwog befasst gewesen, der Zuschlag sei erst fünf Monate später, im September 2002 erfolgt. Gegenüber dem "profil" wollte Muhr diesen Zeitablauf mit Hinweis auf "Verschwiegenheitspflichten" nicht kommentieren.

Lehman Brothers und Muhr seien daneben auch für die Telekom Austria tätig gewesen, für die der damalige Finanzminister Grasser zuständig war. Sie wickelten im Juni 2002 den Rückkauf des 25-prozentigen Mobilkom-Anteils aus dem Besitz der Telecom Italia ab, schreibt das "profil" laut Vorausbericht. Lehman habe dafür von der Telekom Austria 2,15 Millionen Euro brutto erhalten, der Anteil Muhrs (zehn Prozent der bei Lehman verbliebenen "net investment banking fees") sei nicht bekannt, auch Muhr habe sich dazu nicht geäußert.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Kräuter nahm die "profil"-Geschichte zum Anlass, an den Rechnungshof-Unterausschuss zur Buwog-Privatisierung aus 2003 zu erinnern. Der Minderheitsbericht habe festgehalten, "dass Muhr laut einer Vereinbarung mit Lehmann Brothers 'etwas bekommt, wenn er auf etwas hinweist'", so Kräuter. Er sieht einen "Sumpf aus Freunderlwirtschaft und intransparenten Machenschaften rund um den damaligen Finanzminister Grasser".

Staatsanwaltschaft und Parlament müssten "endlich die wöchentlich neuen Facetten der Grasserschen Freunderlwirtschaft im Zusammenhang mit der Buwog-Privatisierung" restlos aufklären, forderte die Grüne Abgeordnete Gabriela Moser. "Der Morast wird immer tiefer und konkreter. Deshalb ist die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses hoch an der Zeit."