Erstellt am 01. Oktober 2012, 14:01

Neuer Bundesschulsprecher will Projekt- statt Schularbeiten. Der neue Bundesschulsprecher Felix Wagner will den Schülern die Chance geben, die Hälfte ihrer Schularbeiten durch Projektarbeiten zu ersetzen.

Diese sollen - je nach Klassenstufe bzw. Dauer der ersetzten Schularbeit - zwischen 15.000 und 20.000 Zeichen umfassen und einerseits der Individualisierung des Unterrichts und andererseits als Vorbereitung auf die vorwissenschaftliche Arbeit im Rahmen der Zentralmatura dienen, so Wagner von der VP-nahen Schülerunion bei einer Pressekonferenz am Montag.

Die Projektarbeit soll als schriftliche wissenschaftliche Arbeit konzipiert sein und zu einer Fragestellung verfasst werden, die im Zusammenhang mit dem Stoffgebiet der ersetzten Schularbeit steht. Die genaue Themenstellung formulieren Schüler und betreuender Lehrer gemeinsam. Beim Abgabetermin stellt der Lehrer dem Schüler dann eine inhaltliche Frage zu seiner Arbeit, um sicherzugehen, dass er diese auch selbst verfasst hat. Die Wahl, ob eine Schul- durch Projektarbeit ersetzt wird, soll beim Schüler liegen.

Als Ziel seiner einjährigen Amtszeit nannte Wagner, "der idealen Schule einen Schritt näher zu kommen". Unerlässlich sei es dabei, die Schulautonomie zu erweitern und den einzelnen Standorten Entscheidungsfreiheit etwa über Unterrichtsgestaltung und Schwerpunktsetzung, Schulleitung und die Einstellung neuer Lehrer zu geben. Analog zum Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) auf Schulebene fordert der 18-jährige HTL-Schüler aus Mistelbach () eines bundesweiten SGA mit je vier Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern. Zur Frage des Aussehens einer "idealen Schule" will Wagner eine Umfrage unter Schülern sowie eine Tour durch Österreichs Schulen starten.

Ethik-Unterricht will die Schülerunion nur als alternativen Pflichtgegenstand umsetzen, das heißt nur für jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Religion als Kulturgut sei jedenfalls schützenswert, so der Obmann der Schülerunion, Daniel Perschy. Änderungen am konfessionellen Religionsunterricht würden daher erst dann in Frage kommen, wenn es massenhaft Austritte aus der Kirche gebe. Außerdem werde durch die derzeitige Konstruktion verhindert, dass Religionsunterricht "in die Hinterhöfe abwandert".

Wagner wurde gestern, Sonntag, von der Bundesschülervertretung (BSV) zum Bundesschulsprecher gewählt. Wie seine letzten sieben Vorgänger stammt er aus der Schülerunion, die 27 von 29 Mandaten in der BSV stellt. Nicht anfreunden kann sich Wagner mit einer Direktwahl des Bundesschulsprechers durch alle Schüler. Dann würde nämlich jener Kandidat gewinnen, der am meisten Geld in Videos oder Facebook-Aktivitäten investieren könne und nicht derjenige mit den konstruktivsten Forderungen.