Erstellt am 20. März 2013, 10:00

Neuer Papst Franziskus fasziniert die Gläubigen. Vatikan | Erstmals wurde ein Südamerikaner zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Enormer Andrang beim ersten Angelus.

epa03624444 This handout picture released by the Vatican press office shows Pope Francis, formerly Argentine Cardinal Jorge Mario Bergoglio, leading a mass at the St Peter's basilica at the Vatican on March 14, 2013 a day after his election. Pope Francis and the cardinals who made him the first Latin American leader of the Catholic Church returned to the Sistine Chapel to celebrate mass together. EPA/OSSERVATORE ROMANO EDITORIAL USE ONLY/NO SALES  |  NOEN, OSSERVATORE ROMANO (ANSA)
Von Martin Gebhart

Rund 150.000 Gläubige waren am vergangenen Sonntag auf dem Petersplatz in Rom versammelt, als Papst Franziskus sein erstes Angelus-Gebet sprach. Seine Botschaft an die versammelten Menschen, die immer wieder mit lautem Applaus reagierten: „Etwas mehr Barmherzigkeit verändert die Welt, es macht sie weniger kalt und mehr gerecht.“
Mehr als eine Woche ist es nun her, dass Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt worden ist. Am Dienstag wurde er offiziell im Petersdom in sein Amt eingeführt.

„Kardinäle haben sehr guten Hirten gewählt“

„Riesig gefreut“ habe er sich über die Wahl des Argentiniers, so Kardinal Christoph Schönborn, der ja am Konklave teilgenommen hatte. „Alles spricht dafür, dass die Kardinäle einen sehr guten Hirten gewählt haben“, so der Wiener Erzbischof. Und: „Ich denke, wir werden mit Papst Franziskus noch gute und schöne Überraschungen erleben.“
In einer Pressekonferenz in Rom ortete Kardinal Schönborn auch dringende Aufräumarbeiten innerhalb des Vatikans. Er hoffe, dass es Papst Franziskus bald gelingen werde, den guten Ruf des Vatikans wieder herzustellen. Spekulationen, wonach er demnächst eine führende Position innerhalb der vatikanischen Kurie einnehmen könnte, wollte Schönborn nicht kommentieren. Er erklärte nur, dass er sich freue, nach Wien zurückzukehren und er hoffe, „im Stephansdom einmal mein Grab zu finden“.
Für Aufsehen sorgte Papst Franziskus in den ersten Tagen bereits, weil er auch als Papst ungewohnte Schlichtheit an den Tag legte. So holte er persönlich sein Gepäck aus dem Gästehaus ab, wo er während des Konklaves gewohnt hatte.

Schlichtes Leben und Einsatz für die Armen

In seinen ersten Ansprachen bezeichnete er sich immer wieder als „Bischof von Rom“ und nicht als „Papst“. Als Kardinal hatte der Jesuit in Argentinien ebenfalls ein sehr schlichtes Leben gewählt und sich für die Armen eingesetzt. Er wohnte nicht in der bischöflichen Residenz und war meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.
Mit seiner Wahl tauchte auch die Kritik auf, dass Jorge Mario Bergoglio während der Militärdiktatur in Argentinien mit den damaligen Machthabern paktiert habe. Dagegen trat nun der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel auf. Der 81-Jährige hielt gegenüber der BBC fest: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht.“