Eisenstadt , Oberwart

Erstellt am 12. September 2017, 17:00

von Wolfgang Millendorfer

Causa Krages: Knalleffekt vor Prozess. Neues Gutachten: Ex-Krankenanstalten-Chef Schnedl soll vor seiner Entlassung Firmendaten vom Laptop gelöscht haben. Und: Besitzstörungsklage gegen KRAGES-Anwälte jetzt rechtskräftig; weiterer Prozess gegen Juristen.

Wehrt sich gegen Vorwürfe. Ex-KRAGES-Chef René Schnedl.  |  BVZ

Noch vor der nächsten Runde im Prozess zwischen der Krankenanstaltengesellschaft (KRAGES) und dem entlassenen Geschäftsführer René Schnedl sorgt ein brisantes Gutachten für Aufsehen. Heute, Dienstag, wurde eine neue Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft eingebracht.

Inhalt: jenes Gutachten, das besagt, dass Schnedl rund acht Gigabyte an Firmendaten auf seinen Laptop heruntergeladen haben soll. Dann seien Daten „selektiv gelöscht“ worden, heißt es seitens der KRAGES.

Schnedl: „Nur private Daten gelöscht“

Schnedl selbst hat wiederholt betont, vor der Rückgabe des Laptops an den Ex-Arbeitgeber lediglich private Daten gelöscht zu haben. Laut KRAGES jedoch seien rund 250 Dateien unwiederbringlich verloren gegangen.

„Das Gutachten zeigt, dass Firmendaten professionell gelöscht worden und damit für das Unternehmen für immer verloren sind“, so ein KRAGES-Sprecher gegenüber der BVZ. Über eine allfällige strafrechtliche Relevanz entscheidet in weiterer Folge die Staatsanwaltschaft. Das Gutachten wird sich jetzt wohl auch im Arbeitsrechtsverfahren niederschlagen, das am Montag vor Gericht fortgesetzt wird.

Gesamtstreitwert liegt bei 218.000 Euro

Schnedl wehrt sich gegen den Vorwurf von Verfehlungen, die laut dem Land zur Entlassung geführt hätten, und reichte Klage ein. Der Gesamtstreitwert liegt bei 218.000 Euro; eine außergerichtliche Einigung ist außer Sichtweite.

Gegenüber der BVZ zeigte sich der Ex-Geschäftsführer zuletzt guter Dinge. Wobei zu erwarten ist, dass der Prozess sich noch länger hinziehen wird. Im Lauf der weiteren Runden könnten auch prominente Zeugen wie der frühere Gesundheitslandesrat Peter Rezar und sein Nachfolger Norbert Darabos (beide SPÖ) befragt werden.

An einem weiteren Schauplatz wurde Schnedl nun recht gegeben: Die Entscheidung des Gerichtes zur Besitzstörungsklage gegen zwei Anwälte der KRAGES, die im April das Entlassungsschreiben an Schnedls Privatwohnsitz überbrachten, ist jetzt rechtskräftig. Gegen den ebenfalls entlassenen Leiter der KRAGES-Rechtsabteilung, der bei der Amtshandlung am Privatgrundstück anwesend war, wurde jedoch ein Verfahren wegen falscher Aussage eingeleitet. Die Verhandlung findet im Dezember in Wiener Neustadt statt.