Erstellt am 27. September 2016, 11:57

VP-Landesschulchefs gegen Lehrerauswahl durch Direktor. Die von der ÖVP gestellten Landesschulratspräsidenten sind gegen die Pläne von Unterrichtsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ), wonach Schulleiter sich künftig ihre Lehrer selber aussuchen können sollen.

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Das klinge zwar unheimlich toll, sei aber vor allem an Pflichtschulen "nicht durchführbar", so Sprecher Fritz Enzenhofer am Montagabend. "Das kommt von Leuten, die die Praxis nicht kennen."

Im Dezember soll das Schulautonomie-Paket den Ministerrat passieren, mit dem Schulleitern die Möglichkeit gegeben werden soll, neu eintretende Pädagogen auszuwählen. Vorbilder könnten laufende Pilotprojekte in der Steiermark und in Oberösterreich sein, wo an den höheren Schulen Bewerbungen bereits über digitale Plattformen laufen. Sollten sich an einer Schule keine Lehrer bewerben, wird laut Hammerschmids Ankündigung weiterhin die Behörde steuernd eingreifen. Derzeit werden die Lehrer den Schulen durch die Landesschulbehörden zugeteilt.

Entscheidung nach einem "Probe-Jahr" treffen

Für den Oberösterreicher Enzenhofer ist eine Auswahl der Lehrer durch Schulleiter vor allem im Pflichtschulbereich (v.a. Volksschule, Neue Mittelschule) unrealistisch. Immerhin müssten hier wegen kurzfristiger Schwankungen bei den Schülerzahlen pro Klasse und Standort im Herbst innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viele Anstellungen fixiert werden, berichtete er nach einem Treffen der Gruppe. Viel sinnvoller wäre es, wenn der Direktor erst nach Ablauf des für Junglehrer üblichen Ein-Jahres-Vertrags entscheidet, ob ein neuer Pädagoge ins Kollegium passt.

An den höheren Schulen wiederum sei es etwa in Niederösterreich schon seit Jahren gelebte Praxis, dass Direktoren bei der Suche nach Lehrern massiv eingebunden werden, betont der dortige Landesschulratspäsident Johann Heuras.

In der Steiermark ist an den höheren Schulen seit zwei Jahren das System "Get Your Teacher" im Einsatz, bei dem Schulleiter über eine Online-Plattform passende Lehrer auswählen können. Für die dortige Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner ist das System aber auf die Pflichtschulen ebenfalls nicht umlegbar. "Ein System, wo jeder Schulleiter einen Lehrer anfordert, wäre für uns undenkbar." Als Grund nennt sie neben den vielen Kleinschulen den Mangel an Lehrern, die in die Peripherie gehen wollen.

Herausforderung ist, überhaupt Lehrer zu finden

"Die Herausforderung in ein paar Jahren wird aber ohnehin nicht sein, Lehrer auszusuchen, sondern überhaupt Lehrer zu finden", warnt Heuras. So gebe es beim niederösterreichischen Landesschulrat etwa schon jetzt keinen einzigen Sonderschullehrer mehr auf der Warteliste. Dazu kommt eine Folge der Umstellung der Lehrerausbildung, die künftig für Pflichtschullehrer fünf bis fünfeinhalb- statt bisher drei Jahre dauern wird.

Es wird also mehrere Jahrgänge mit deutlich weniger Absolventen geben. "Von gewissen Engpässen ist hier auszugehen", meint Salzburgs Johannes Plötzeneder. "Es wird spannend, wie ich dann auch in den peripheren Regionen Personal finde."