Erstellt am 08. Juni 2011, 00:00

Niessl: „In der Schule.  60. GEBURTSTAG / Landeschef Hans Niessl über den Ehrgeiz im

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BVZ: Wie fühlt man sich kurz vor dem 60. Geburtstag?

Hans Niessl: Ich fühl mich eigentlich sehr gut, weil ich gesund bin, weil ich meinen Job als Landeshauptmann gerne mache und weil ich auch den Eindruck habe, dass sich das Burgenland in die richtige Richtung bewegt.

BVZ: „Rot bis in den Tod“ steht bei Ihnen nicht so im Vordergrund. Es entsteht oft der Eindruck, dass die Sache vor der Partei kommt. Welcher Partei können Sie neben der SPÖ noch etwas abgewinnen?

Niessl: Ich kann jeder Partei etwas abgewinnen, die sich bereit erklärt, bedingungslos für das Land zu arbeiten. Das ist mein pragmatischer Zugang. Ich habe auch großen Respekt vor den großen Sozialpartnern, vor Peter Nemeth (Wirtschaftskammer, Anm.) und Alfred Schreiner (Arbeiterkammer). Sie haben in der Wirtschaftskrise mitgeholfen und wir haben gemeinsam Pakete beschlossen. Im Krisenjahr 2010 hatten wir eine Rekordbeschäftigung – das waren die Maßnahmen, die 2009 mit den Sozialpartnern gesetzt wurden.

BVZ: Inwieweit, würden Sie sagen, hat Sie die Politik verändert?

Niessl: Ich glaube, in der Politik muss man immer aufpassen, dass sie einen nicht zum Negativen verändert. Das ist schon immer ein Innehalten und ein Reflektieren. Ich kenne einige Personen in der Politik, aber auch in wirtschaftlichen Toppositionen, die ihre Persönlichkeit negativ verändert haben.

BVZ: Wie gehen Sie als Landeshauptmann mit Macht um?

Niessl: Es ist für mich deswegen interessant, weil man mit Macht was bewegen kann. Klare Verhältnisse, rasche Entscheidungen, das ist der Vorteil und das Positive an der Macht. Alles andere, vor allem im privaten Bereich, interessiert mich nicht. Im Gegenteil, da ist es mir oft lieber, wenn man irgendwo in einer Runde alleine sitzen kann und ein bisserl lachen kann miteinander und Spaß haben kann und der eine oder andere ganz offen seine Meinung sagt, die vielleicht nicht ganz angenehm ist, aber das kann ich trotzdem schätzen.

BVZ: Wenn ein junger Mensch sagt, er möchte Landeshauptmann werden: Würden Sie ihm das raten?

Niessl: Ich würde jedem jungen Menschen raten, dass er sich in der Politik engagiert. Denn die Demokratie braucht die jungen Menschen. Wir brauchen den Schwung, die Innovationskraft der Jugend, wir brauchen die Kraft der Frauen, wir brauchen auch die Erfahrung der Älteren. Ich mache gerne Politik, aber natürlich ist der Zeitaufwand enorm. Vielleicht kommt der Zeitpunkt, wo man darüber nachdenkt, dass es vielleicht doch zumindest einmal im Monat ein politikfreies Wochenende gibt. Wir haben uns das anders eingeführt, dass es kaum ein politikfreies Wochenende gibt, während eines Jahres. Aber es heißt ja nicht, dass es immer so sein muss.

BVZ: SPÖ und ÖVP sind bundesweit angeschlagen. Krankt es oft daran, dass vor allem junge Menschen am Parteiapparat selbst scheitern?

Niessl: Das ist teilweise richtig. Aber im Burgenland ist die Situation eine andere als im Rest von Österreich. Wenn heute ein Herr Strache in die Disco P2 nach Mattersburg kommt und dort sind um 40 Prozent weniger Leute als an einem normalen Freitag, dann heißt das, dass sie schon nicht kommen, weil der kommt und das Nachtleben unsicher macht. Insofern glaube ich nicht daran, dass man die Jugend dadurch gewinnt, indem man wie ein Kasperl durch die Diskotheken zieht. Die Leistungen, die Strache für das Burgenland gebracht hat, sind nicht bekannt.

BVZ: Was waren für Sie als Politiker die schönsten Begegnungen mit Menschen? Gibt es ein besonderes Erlebnis?

Niessl: Mich hat der Fall des „Eisernen Vorhangs“ 1989 schon sehr berührt. Das war für mich damals als junger Bürgermeister schon eine große Freude, dass das passiert ist und seither hat sich das Burgenland auch sehr gut entwickelt.

BVZ: Haben Sie ein bestimmtes Ritual für schwierige Entscheidungen?

Niessl: Was ich absolut ablehne, sind Bauchentscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind. Bei mir muss alles gut aufbereitet sein und es soll eine gewisse Anzahl von Leuten, die sich auskennen, mit dabei sein. Management by Chaos, das gibt es bei mir nicht.

BVZ: Stört es Sie eigentlich, wenn Kritiker die Therme in Frauenkirchen oft als „Hans Niessl-Gedächtnis-Therme“ bezeichnen?

Niessl: Mich stört es im Prinzip nicht. Die Therme ist eine Riesenchance für die Region. Es ist eine Zukunftschance und alle, die kritisieren, haben seit 25 Jahren keinen besseren Vorschlag. Soll keine Kritik negativer ausfallen, als dieser Satz.

BVZ: Worauf sind Sie in Ihrem Leben am meisten stolz?

Niessl: Grundsätzlich ist Stolz nicht unbedingt eine meiner Kategorien und ich vermeide auch das Wort „Stolz“, denn ich glaube, Stolz ist nicht unbedingt eine gute Charaktereigenschaft, vom Grundsatz her. Ich bin eher dankbar, dass ich im Burgenland seit über zehn Jahren an der Spitze stehen darf und dass ich hier einen Beitrag liefern kann, damit sich das Land in die richtige Richtung entwickelt und dass die Menschen nach Möglichkeit einen Arbeitsplatz haben. Dass die Jugend eine gute Bildung hat und dass wir ein gutes Sozial- und Gesundheitssystem haben. Und das ist nicht stolz, sondern dankbar, dass ich bei dieser tollen Entwicklung, wie gesagt, doch mit großem Einsatz in allen Bereichen, federführend dabei sein kann.

BVZ: Worüber kann der Landeshauptmann lachen?

Niessl: Wenn man mit Freunden zusammensitzt, bei einem Spritzer oder bei einem guten Glas Wein und es wird ein bisserl getratscht, ein bisserl geblödelt, ein guter Witz erzählt, dann lache ich drüber. Ich glaube, das gehört einfach dazu, sonst bekommt man den Tunnelblick und das ist auch in der Politik nicht gut. Die Politik ist sehr tagesfüllend, aber hin und wieder eine Stunde in entspannter Atmosphäre mit Freunden ein bisserl plaudern und auch Spaß haben, das gehört dazu. Sonst wäre die Belastung zu groß.

BVZ: Wie gut waren Sie in der Schule und wie gerne sind Sie in die Schule gegangen?

Niessl: Ich hab während meiner Schulzeit viele Hobbies gehabt. Dadurch war ich in der Schule nicht gut. Wo ich deutlich besser geworden bin, war die Zeit nach der Matura, und je älter ich wurde, desto ehrgeiziger bin ich geworden, und habe spezielle Prüfungen, wie die Hauptschullehrer-Prüfung und auch die Trainerprüfung, in vielen Bereichen mit Auszeichnung gemacht.

BVZ: Gibt es eine Persönlichkeit, mit der Sie gerne Abendessen gehen würden?

Niessl: Nachdem ich erst kürzlich mit Präsident Putin Abendessen war, gibt es grundsätzlich nur mehr eine Steigerung und das wäre Barack Obama. Mit Schröder war ich seinerzeit Mittagessen, mit der Merkel war ich Kaffee trinken.

BVZ: Was soll in Ihrem „politischen Nachruf“ stehen?

Niessl: Das überlasse ich denen, die den Nachruf machen.

BVZ: Was wünschen Sie sich zu Ihrem Geburtstag von den Burgenländerinnen und Burgenländern?

Niessl: Ich wünsche mir, dass die Burgenländer genauso weitertun, wie in der Vergangenheit. In 90 Jahren haben die Burgenländer gezeigt, dass sie aus dem Armenhaus Österreichs ein gleichwertiges Bundesland gemacht haben. Ich wünsche mir, dass das in dieser Form wie in den letzten Jahrzehnten weiter fortgesetzt wird. Dass die Burgenländer zu ihrem Land stehen, und sie können erwarten, dass auch ich in den nächsten Jahren mit den gleichen Einsatz, wie in der Vergangenheit mich jedenfalls für dieses Land einsetzen werde.