Erstellt am 23. Februar 2016, 06:22

Noch kein Antrag homosexueller Paare im Burgenland. Der 1. Jänner 2016 hat für homosexuelle Menschen in Österreich eine lebensentscheidende Änderung gebracht: Sie können seither als Paar Kinder adoptieren.

 |  NOEN, Symbolbild
Allerdings haben im Burgenland noch keine homosexuellen Paare einen Adoptionsantrag gestellt. Bis der Kinderwunsch über diesen Weg erfüllt wird, vergeht in der Regel viel Zeit: Im vergangenen Jahr haben vier Kinder, darunter ein Geschwisterpaar, durch Adoption neue Eltern gefunden. Generell bewegt sich hier die Zahl im unteren einstelligen Bereich.

"Im vergangenen Jahr gab es im Burgenland vier Adoptionen, wobei ein Geschwisterpaar durch eine internationale Adoption ein neues Zuhause gefunden hat. Die beiden anderen Kinder waren mehrere Jahre in Pflege, bis die Eltern ihre Zustimmung zur Adoption gegeben haben", erzählte Bettina Horvath, leitende Sozialarbeiterin des Landes Burgenland. Seit 2010 (auch davor gab es Adoptionen, Anm.) gab es in Summe durchschnittlich drei Adoptionen im östlichsten Bundesland.

"Eignungsbeurteilung läuft gleich ab"

Entschließt sich eine Person oder ein Paar - egal ob hetero- oder homosexuell - zur Adoption, führt der erste Weg zu einem Sozialarbeiter oder zu einer Sozialarbeiterin im Bezirksjugendamt. "Dort sind die Kollegen für die Eignungsbeurteilung zuständig - und zwar sowohl von Pflege- als auch Adoptiveltern", sagte Horvath. Hier gebe es grundsätzlich keinen Unterschied.

"Die Eignungsbeurteilung läuft gleich. Das heißt, es gibt zuerst ein Informationsgespräch mit den Interessenten. Dabei geht es darum, welche Vorstellung die Werber haben. Auch auf die Motivation wird hier schon ein bisschen geachtet. Danach wird sich die Sozialarbeiterin ein weiteres Gespräch ausmachen."

In Summe gibt es mindestens drei Gespräche und mindestens zwei Hausbesuche, wobei diese auch kombiniert werden können. "Außerdem gibt es mindestens einen Kontakt zu zweit, also mit einer zweiten Kollegin, damit man auch das Vieraugenprinzip in der Einschätzung hat."

Keine Vorstrafen dürfen vorhanden sein

Ein Teil des Verfahrens sind Abfragen, mit denen man sich einverstanden erklären müsse. "Strafregisterauszug, Auszug aus der Gewalt- und Sexualstraftäterdatei. Da geht es darum, dass keine Vorstrafen vorhanden sein dürfen, die das Wohl eines Kindes gefährdet erscheinen lassen. Außerdem müssen Interessenten ein medizinisches Zeugnis bringen, woraus hervorgeht, dass es keine ansteckende oder Kinder gefährdende Krankheiten gibt und dass sie körperlich in der Lage sind, Kinder gut zu versorgen. Weiters wird eine Abfrage in der Gemeinde gemacht", klärte Horvath auf. Was warum gemacht wird, werde den Interessenten genau erklärt.

Wesentlich ist laut leitender Sozialarbeiterin in jedem Fall die Zusammenarbeit der Interessenten mit der Kinder- und Jugendhilfe. "In der Zeit der Eignungsbeurteilung bis zum Abschluss des Adoptionsvertrages muss die Bereitschaft da sein, sich durchleuchten zu lassen, die Motivation offen zu legen." Außerdem werden alle Personen, die im Haushalt leben, miteinbezogen und befragt - auch bereits vorhandene Kinder. Ein Ausbildungskurs muss ebenfalls besucht werden.

Mindestalter 25 Jahre

Wer ein Kind adoptieren möchte, kann sich in Österreich in jedem Bundesland bewerben. Im Ausland muss man sich für ein Land entscheiden, "weil hier die Länder auch verlangen, dass man einen Bezug zum Land hat und es auch begründet, warum man gerade von dort ein Kind haben möchte", sagte Horvath. Das Mindestalter liegt bei 25 Jahren, wobei die meisten Personen älter sind.

Die Wartezeit kann mehrere Jahre dauern, immerhin kommen in Österreich bis zu zehn Interessenten auf ein Kind. Die Eignungsbeurteilung sollte innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein
- das richtet sich nach den Kapazitäten im Bundesland. Dann geht es darum, dass man als am geeignetsten erscheint. Denn: "Wir suchen für ein Kind die Eltern aus, die am besten für das Kind und die Problematik, die es mitbringt, erscheinen - und nicht umgekehrt."

Schwules Paar: "Wünschen uns ein Kind"

Einen stark ausgeprägten Kinderwunsch hat - trotz Homosexualität, wie er selbst sagt - auch Günter. Der Burgenländer und sein Mann Mario wollen eine Familie gründen. Im Interview erklärten die beiden: "Wir wünschen uns ein Kind."

Im April 2009 lernten sich der nun 29-jährige Günter aus dem Nord- und der 33-jährige Mario aus dem Südburgenland kennen. Knapp ein Jahr später zogen die beiden im Bezirk Oberwart zusammen, widmeten sich dem Hausausbau von Marios Eltern und leben dort nun im Dachgeschoß in einer separaten Wohneinheit mit Garten, Teich und zwei Hunden. Im Juli 2012 machten die beiden ihre Liebe auch vor dem Gesetz offiziell und ließen ihre Partnerschaft eintragen. Das Familienglück soll in ein paar Jahren auch ein Kind komplett machen, erzählt Günter.

"Froh über die Gesetzesänderung"

"Wir denken schon seit ca. drei Jahren über ein Kind nach und sind sehr froh über die Gesetzesänderung. Wenn wir uns Fernsehbeiträge anschauen, in denen über Kinder im Mistkübel berichtet wird, obwohl man mittlerweile ein Kind auch anonym abgeben kann - das können wir nicht verstehen. Wir wollen einem Kind ein liebevolles Zuhause geben", sagt er. Und: "Es gibt so viele Werte, Erfahrungen, Erlebnisse und Lebensweisheiten, die wir gerne weitergeben wollen."

Selbst ist Günter auch nicht in der "klassischen" Familienkonstellation aufgewachsen. Gefehlt habe es ihm aber an nichts. "Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen. Ich weiß also selbst aus eigener Erfahrung, dass es darum geht, ein Zuhause zu haben, einen ordentlichen Ablauf, Leute, die einen lieben und Sicherheit bieten. Ich bin mir sicher, dass wir einem Kind alles bieten können, was es braucht."

"Wir haben nichts zu verheimlichen"

Dass man sich als Adoptivwerber durchleuchten lassen muss, nehmen die beiden Männer hin. "Wir haben nichts zu verheimlichen", sagt Mario. Zur Tatsache, dass ein Adoptivkind etwa von suchtkranken Eltern stammen und bzw. oder an Krankheiten leiden könnte, meinen die beiden: "Auch wenn man ein Kind auf natürlichem Weg bekommt, weiß man nicht, wie das Kind ist. Aber natürlich wünscht man sich in erster Linie ein gesundes Kind."

Ein Punkt, der die beiden beschäftigt und zum Nachdenken bringt, ist hingegen die Gesellschaft. "Manchmal kommt der Gedanke, ob die Gesellschaft wirklich schon so weit ist bzw. die Überlegung, wie es dem Kind in der Gesellschaft wohl gehen wird. Aber ich denke, wenn wir alles halbwegs richtig machen, dann weiß das Kind, wo es hingehört und weiß, dass es ein stabiles Zuhause hat. Mobbing kann ja jedes Kind betreffen. Ich denke, es ist unsere Aufgabe, dem Kind zu vermitteln, dass es sich für zwei Väter nicht schämen muss", zeigt sich Mario überzeugt.

"Umfeld und Erziehung viel prägender als Erbanlagen"

"Üben" können die beiden derzeit mit den Kindern in der Verwandtschaft. "Marios Nichte ist sehr gerne bei uns und schaut mir gerne beim Kochen zu." Generell gab es in der Familie nie Probleme mit der Homosexualität der beiden. "Die Kinder in der Verwandtschaft finden uns nicht komisch oder grauslich. Das ist ganz normal. Nur bei unserer Trauungszeremonie gab es eine kleine Verwirrung, weil keine Braut da war. Da wurde ich kurzerhand von der Nichte zur Braut ernannt", erinnert sich Günter und lacht.

Die neue Gesetzeslage wollen die beiden vielleicht noch heuer nutzen und sich um eine Adoption, die bis zu einem positiven Abschluss mehrere Jahre dauern kann, bemühen. Könnten die beiden es sich aussuchen, wäre ein sehr junges Kind ihr Wunsch, "da wir so viel wie möglich bei der Entwicklung des Kindes dabei sein möchten. Denn der größte Teil, also wie man sich entwickelt, macht das Umfeld aus. Das Umfeld und die Erziehung ist viel prägender als die Erbanlagen", sind die beiden Männer überzeugt. "Aber egal, welches Geschlecht oder welches Alter, es wäre unglaublich, wenn wir ein Kind bekommen würden."