Erstellt am 18. Juni 2012, 16:00

Nur Ärzte gegen Elektronische Gesundheitsakte. Die Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) kann letztlich nur an den Ärzten scheitern. Das hat am Montag ein mehrstündiges Expertenhearing im Gesundheitsministerium gezeigt.

 Außer den Ärzten sprachen sich sämtliche wichtige Player im Gesundheitswesen für die Akte aus, die nach Vorstellung von Gesundheitsminister Stöger ab Mitte 2013 schrittweise etabliert werden soll. Allerdings muss der Ressortchef da neben den Medizinern auch den Koalitionspartner überzeugen. Die ÖVP ist derzeit ein wenig gespalten in Sachen ELGA. Die Vertreter von Wirtschaft und Industrie sprachen sich beim Hearing ebenso klar für ELGA aus wie der Seniorenbund. Gerade Gesundheitssprecher Rasinger, selbst Arzt, scherte aber aus dieser Linie aus. "Vorsichtig" sei er, seien doch viele ähnliche Projekte im Ausland, etwa in Tschechien, gescheitert.

Die Kammer machte indes klar, dass sie nicht daran denkt, ihr abwehrende Haltung aufzugeben. "Wenn man streng ist", müsste man das ganze System neu aufsetzen, meinte der Tiroler Kammer-Präsident Artur Wechselberger, der noch dieser Woche zum gesamtösterreichischen Ärztechef gewählt werden dürfte und dafür gleich mit einem "klaren Nein zu ELGA" warb.

Argumentiert wurde von Wechselberger unter anderem damit, dass die Finanzierung bei der Etablierung der Gesundheitsakte nicht geklärt sei. Bedingung für eine ELGA-Beteiligung ist laut Wechselberger jedenfalls, dass die Ärzte freiwillig teilnehmen.

Dies sieht der Stöger-Entwurf weder für Mediziner noch für Apotheker vor, dafür, dass Patienten die Wahl bleibt, von sich aus eine Teilnahme an ELGA zu verweigern. Dass man dies allerdings aktiv kundtun muss und nicht aktiv gefragt wird, ob man überhaupt dabei sein will, störte die Datenschützer. Immerhin zeigte man sich beruhigt von der Klärung durch die ELGA-Gestalter, dass vor jeder Anwendung der Mediziner beim Patienten noch einmal nachfragen muss, ob jetzt die Daten abgerufen werden können.

Dass Letzteres Sinn haben kann, hat der Pilot-Versuch zur E-Medikation ergeben, der im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. Rechne man die Daten dieser Untersuchung hoch, könnte österreichweit fast eine Million an schweren Wechselwirkungen vermieden werden, erklärte Josef Kandlhofer, Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Dazu kämen noch 15 Millionen Duplikatswarnungen.