Erstellt am 19. Dezember 2011, 10:40

OECD sieht Bildung als "Hebel" für Integration. Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in den OECD-Ländern steigt, ihre Leistungen liegen jedoch oft hinter jenen der im jeweiligen Land geborenen Gleichaltrigen zurück.

Dass bildungspolitische Maßnahmen hier gegenwirken können und einzelne Länder das Leistungsgefälle seit der PISA-Studie 2000 zumindest stark verringern konnten, berichtet die OECD nun in einer aktuellen PISA-Auswertung.

Österreich-Daten wurden dabei nicht verglichen, weil die OECD wegen der "negativen Atmosphäre" infolge von Boykottaufrufen während der Testphase von Vergleichen absieht. Dass in Österreich noch immer eine große Leistungsdifferenz zwischen einheimischen Schülern und Migranten herrscht, betont PISA-Projektleiterin Ursula Schwantner vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) gegenüber der APA. Mit einer Differenz von durchschnittlich 68 Punkten gehörte Österreich bei PISA 2009 zu den drei OECD-Ländern mit den größten Leistungsunterschieden zwischen Einheimischen und Migranten (Italien: 72 Punkte, Belgien ebenfalls 68). Wie die Einzelauswertung zeigt, ist ein Drittel der Leistungsdifferenz auf den sozioökonomischen Hintergrund zurückzuführen, was die Diskrepanz auf 45 Punkte verringert. "Es wäre Aufgabe des Bildungssystems, diese sozioökonomischen Differenzen auszugleichen", so Schwantner.

Die OECD geht in ihrem Bericht davon aus, dass die Integration von Migranten in manchen Ländern besser gelingt. So haben etwa Australien, Belgien, Kanada, Deutschland, Neuseeland und die Schweiz "die Leistungskluft schmälern oder sogar schließen können". Schwantner sieht eine mögliche Erklärung jedoch in den Merkmalen von Migrantengruppen selbst. "Gerade in Kanada kommen viele Einwanderer ins Land, die bereits Englisch bzw. Französisch sprechen", meint sie. "In Österreich ist das nicht der Fall, hier gibt es überwiegend Jugendliche, die bei der Einreise nicht Deutsch können und die oft aus sozial benachteiligten Familien stammen."