Erstellt am 16. August 2013, 21:01

Österreich gibt Reisewarnung für ganz Ägypten heraus. Das österreichische Außenministerium hat Freitagnachmittag eine Reisewarnung für ganz Ägypten herausgegeben.

Dies erfolge "aufgrund der Eskalation der letzten Tage mit so vielen Toten", erklärte Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP). "Die Sicherheit ist einfach nicht mehr gegeben." Die Reisewarnung gelte jedoch nur für geplante Reisen, Urlauber, die sich bereits im Land befänden, könnten ihre Reise fortsetzten.

Er habe am Mittwoch zwei Mitarbeiter in die Tourismusorte Sharm el-Sheikh und Hurghada geschickt, fügte der Außenminister hinzu. "Die Lage dort ist derzeit noch ruhig", für den Notfall habe man jedoch Vorsorge getroffen. "Denn die letzten Tage haben gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren kann", so Spindelegger.

Kostenloses Reise-Stornieren nun möglich

Neben Österreich haben auch die Schweiz und Tschechien eine generelle Reisewarnung für Ägypten ausgegeben. Deutschland und Polen raten vor nicht unbedingt nötigen Reisen in das Krisenland ab.

Eine Reisewarnung bedeutet auch, dass Urlauber ihre Reisen kostenlos stornieren könne. Bereits vor der Verschärfung der Sicherheitshinweise, haben zahlreiche Veranstalter Reisen nach Ägypten abgesagt. Thomas Cook und TUI wollen bis einschließlich 15. September keine neuen Urlauber in das Krisenland schicken, Ruefa riet zu Umbuchungen.

Air Berlin teilte am Freitagabend mit, bis einschließlich 15. September keine neuen Buchungen für Flüge nach Ägypten anzunehmen, die AUA will ihre Flüge jedoch vorerst planmäßig durchführen.

Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen

Rund 5.000 Österreicher befinden sich nach Angaben der Reiseveranstalter gegenwärtig in Ägypten - der Großteil (75 Prozent) in Hurghada und etwa ein Fünftel in Sharm el-Sheikh. Der Rest verteilt sich auf kleinere Badeorte am Roten Meer wie etwa Marsa Alam.

Die Unruhen in Ägypten haben auch Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen: Der Betrieb in der österreichischen Botschaft in Kairo könne aufgrund der Situation in Kairo derzeit nicht offen gehalten werden, sagte der Außenminister. Das Botschaftspersonal sei jedoch weiterhin vor Ort, es gehe ihm "soweit gut".

Auch die diplomatischen Kanäle zu Ägypten seien weiterhin offen. Er sei jedoch "sehr besorgt, ob die Demokratie aufrechterhalten werden kann, wenn das so weitergeht", fügte Spindelegger hinzu. Dies habe er am Freitag auch telefonisch mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle besprochen.

Gemeinsam habe man sich an EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gewandt und einen Sonderministerrat für kommenden Montag oder Dienstag verlangt. Angesichts der Situation seien "andere Töne der EU" nötig, man könne "nicht einfach zusehen".


Spindelegger sprach auch mit dem Botschafter


Seine Besorgnis habe er am Freitag ebenfalls dem ins Außenamt zitierten ägyptischen Botschafter, Khaled Abdelrahman Abdellatif Shamaa, mitgeteilt, so Spindelegger. "Ich habe ihm gesagt, dass wir diese Situation der Eskalation nicht dulden".

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte am Freitag an, die Beziehungen zur ägyptischen Übergangsregierung überdenken zu wollen. Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande sprach sie sich auch für eine Überprüfung der europäisch-ägyptischen Beziehungen aus.