Erstellt am 30. August 2016, 15:03

von APA Red

Helfer besorgt über vermisste Flüchtlingskinder. Hilfsorganisationen sind besorgt darüber, dass mehreren Dutzend der seit dem Vorjahr in Österreich angekommenen Flüchtlingskindern abgängig sind. Es gebe beim Schutz von minderjährigen Geflüchteten deutliche Lücken, kritisierten Helfer am Dienstag.

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Die Kinder- und Jugendstaatsanwaltschaft nannte gegenüber dem Ö1-Morgenjournal das Beispiel der 16-jährigen Amina Diallo, die im Jänner spurlos aus ihrer Betreuungseinrichtung in Traiskirchen verschwand. Bis heute könne sich ihr Bruder, mit dem sie gemeinsam aus ihrer Heimat Guinea flüchtete, keinen Reim auf ihr Verschwinden machen.

Kinderanwältin Andrea Holz-Dahrenstädt übte indirekt Kritik am fehlenden Einsatz der Behörden in dem Fall: "Man stelle sich vor, Kinder verschwinden aus einer Familie, dann wird dem viel mehr nachgegangen", sagte sie dem Sender.

Das Innenministerium erklärte zuletzt, dass es seit Anfang des Vorjahres allein im Asylzentrum Traiskirchen 151 Flüchtlingskinder unter 14 Jahren als abgängig gemeldet sind. Die Behörden gehen aber davon aus, dass diese in andere EU-Länder weitergereist sind.

Viele junge Flüchtlinge würden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt oder reisten allein zu bereits geflüchteten Verwandten, erklärte Herbert Langthaler von der österreichischen NGO asylkoordination. Die EU-Asylregeln erlauben es Minderjährigen im Gegensatz zu Erwachsenen, ein Land zur Zuflucht auszuwählen. Allerdings sei die Durchreise nicht legal und oft müssten sich Kinder auf abenteuerlichen Wegen durchschlagen, beklagte der Asylexperte gegenüber der APA. Dabei seien sie Gefahren wie Menschenhandel oder Misshandlung durch Schlepper ausgesetzt.

10.000 Kinder in ganz Europa verschwunden

Ein Problem stellt dabei der mangelnde Datenaustausch zwischen den nationalen Behörden dar, sagte Claire Schocher-Döring vom Suchdienst des Roten Kreuz. Dieser hilft geflüchteten Minderjährigen und ihren Angehörigen dabei, einander wiederzufinden.

Wie viele Flüchtlingskinder genau in Österreich abgängig sind, kann man im Innenministerium wegen der Art der Statistikführung nicht genau sagen. Aber die Größenordnung lässt sich in etwa ermessen: In Österreich führt das Bundeskriminalamt nach Ö1-Angaben für das Vorjahr und heuer 520 vermisste Minderjährige aus Nicht-EU-Ländern, davon 230 Unter-14-Jährige.

Einer Schätzung von Europol zu Jahresbeginn nach, sind seit der großen Flüchtlingsbewegung des Vorjahres in ganz Europa 10.000 Kinder verschwunden. Ein Bericht der Organisation "Missing Children Europe" warnte davor, Kinder seien dem Risiko ausgesetzt, Opfer von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung, erzwungenem Drogenschmuggel oder Bettelei zu werden.

Auch seien mehr Kinder vermisst als offiziell gemeldet, sagte Schocher-Döring. "Ein Minderjähriger kann von Staat zu Staat gehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass er richtig registriert worden ist." Immer wieder seien Namen falsch eingetragen und der Datenaustausch unvollständig, betonte die Helferin.

Daher wüssten die Behörden der einzelnen EU-Staaten oft nicht, was mit weitergereisten Kindern geschehen sei. "Man sollte sich schon überlegen, welchen Gefahren die Kinder ausgesetzt sind", sagte Schocher-Döring. Das Problem ließe sich leicht lösen, betont Langthaler von der Asylkoordination: "Wenn man eine europäische Asylpolitik macht, bei der die Kinder dort hinkommen wo die Angehörigen sind."