Erstellt am 02. Oktober 2012, 13:56

Österreich will genaue Einzelprüfungen von EU-AKW. Im Vorfeld der Veröffentlichung des EU-AKW-Stresstests fordert die österreichische Regierung schon jetzt Konsequenzen.

Bundeskanzler Faymann verwies am Dienstag auf erste Medienberichte, wonach der Test hohen Nachrüstungs- bzw. Sanierungsbedarf an den Tag gebracht habe. Österreich werde sich deshalb für eine "Prüfung jedes einzelnen Kernkraftwerks in der EU" stark machen, kündigte Faymann an. Offiziell präsentiert wird der Stresstest am Mittwoch, Medienberichten zufolge zeichne sich aber schon ab, dass "Mängel" gefunden wurden, "wofür Milliarden notwendig sind, um sie zu sanieren", so Faymann. Seiner Ansicht nach zeigt ein solches Ergebnis sowohl, dass Stresstests grundsätzlich nötig sind, aber auch, dass man noch genauer hinschauen müsse. Dies werde man auch beim Europäischen Rat zur Sprache bringen.

Österreichische Europaabgeordnete haben angesichts der durchgesickerten Ergebnisse der europaweiten "Stresstests" für Atomkraftwerke die Schließung derartiger Anlagen verlangt. Die grüne Europasprecherin Lunacek forderte am Dienstag EU-Energiekommissar Günther Oettinger auf, "dass er endlich die sofortige Abschaltung für die AKWs fordert, die nach den Stresstests am schlechtesten abschneiden".

Die AKW-Sicherheitsstandards in den österreichischen Nachbarländern Tschechien und Slowakei sollen bei den Stresstests besonders schlecht wegkommen. Das berichtet das "WirtschaftsBlatt" am Dienstag in seiner Online-Ausgabe. In zumindest der Hälfte der getesteten Sicherheitskategorien hätten die Prüfer Mängel in den tschechischen Standorten Dukovany und Temelin sowie den slowakischen Kraftwerken Bohunice und Mochovce festgestellt, so das "WirtschaftsBlatt". Auch deutsche und französische AKW erfüllten nicht alle geprüften Sicherheitsauflagen.