Erstellt am 27. September 2012, 10:03

ORF gerät in Inseratenaffäre zwischen Fronten. Der ORF gerät in der Inseratenaffäre zwischen die Wahlkampffronten von SPÖ und ÖVP. Während die SPÖ in den vergangenen Wochen dem Vernehmen nach vor allem hinter den ORF-Kulissen massiv Druck in Richtung genehmerer Berichterstattung gemacht haben soll, meldete sich die ÖVP Mittwochabend mit offener Kritik am öffentlich-rechtlichen Sender zu Wort.

In der SPÖ herrscht vor allem seit dem "Sommergespräch", bei dem der ORF-Journalist Armin Wolf Bundeskanzler Faymann mit Fragen zur Inseratenpraxis aus der Reserve gelockt hatte, großer Unmut über die größte Medienorgel des Landes. Für nachhaltige Verärgerung bei den SPÖ-Spitzen soll danach vor allem der Umstand gesorgt haben, dass der ORF als einziges großes Massenmedium und anders als die "Kronen Zeitung" in seinen Fernseh- und Radio-Informationssendungen umfassend und kritisch über die Inseratenaffäre sowie die Vorwürfe gegen Faymann berichtet hat.

Mittwochabend kam dann auch Kritik vom Koalitionspartner ÖVP. Auslöser dafür waren die neu aufgetauchten ÖBB-Inserate in einige Jahre zurückliegenden ÖVP- und SPÖ-Festschriften. ÖVP-Generalsekretär Rauch zeigte sich über einen ausgestrahlten "Zeit im Bild"-Bericht zu den Inseraten empört und sprach von einem "weiteren skandalösen Höhepunkt einer einseitigen, dem Objektivitätsgebot des öffentlichen Rundfunds spottenden Berichterstattung, deren Chefredaktion offensichtlich endgültig in die Löwelstraße übersiedelt ist".

Grund für Rauchs Ärger war der Bericht über ÖBB-Inserat in einer Festschrift zum 60. Geburtstag des damaligen ÖVP-Chefs und Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel. Die ÖVP denkt nun an Konsequenzen in der Zusammenarbeit mit dem ORF. "Wir werden uns überlegen, wie es mit dem ORF weitergeht", so Rauch zur APA. Man müsse "bewerten, wie man in Zukunft den ORF unterstützt". Bisher sei die ÖVP "immer auf der Seite des ORF gestanden, aber so kann eine Zusammenarbeit nicht sein".