Erstellt am 12. November 2010, 12:20

"Papa-Monat" soll für Beamte kommen. Die langjährige SPÖ-Forderung nach einem "Papa-Monat" soll mit Jahresbeginn Realität werden - allerdings nur im öffentlichen Dienst.

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Frauen- und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) stellte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz ein entsprechendes Modell vor, das derzeit in Begutachtung ist: Demnach haben Väter im öffentlichen Dienst einen Rechtsanspruch auf eine Freistellung von maximal vier Wochen während des Mutterschutzes - ohne Bezahlung.

Der "Papa-Monat" im öffentlichen Dienst soll ab 1. Jänner 2011 möglich sein, bestätigte Heinisch-Hosek einen Bericht der "Presse" (Donnerstag-Ausgabe). Er soll mindestens eine Woche und höchstens vier Wochen dauern und muss während des Mutterschutzes, also innerhalb der ersten zwei Monate nach der Geburt, bezogen werden. Voraussetzung ist laut Begutachtungsentwurf, dass der Vater mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt lebt und "keine wichtigen dienstlichen Interessen" entgegenstehen. Bekanntgeben muss der Beamte den Beginn und die Dauer spätestens zwei Monate vor dem voraussichtlichen Geburtstermin. Auf den Karenz- oder Urlaubsanspruch hat der "Papa-Monat" keine Auswirkungen.

Die Krankenversicherung bleibt während des Karenzurlaubs aufrecht, außerdem zählt der "Papa-Monat" voll für die Pension - Bezüge entfallen allerdings. Ihr wäre es auch lieber gewesen, wenn man das Vorhaben gleich mit voller Bezahlung verwirklichen hätte können, meinte Heinisch-Hosek. In "anderen Zeiten", wo nicht so eine Budgetknappheit herrsche, könne man dann darüber reden, dass die Zeit abgegolten werde. Auf die Frage, ob der Frühkarenzurlaub dadurch nicht unattraktiver werde, verwies Heinisch-Hosek auf die Möglichkeit, in den ersten wichtigen Wochen beim Kind zu sein, außerdem könne man sich auf diese Zeit (aus finanzieller Sicht, Anm.) gut vorbereiten.

Mehrkosten bringt der "Papa-Monat" laut der Ministerin nicht - man spare sogar ein bisschen, weil die entsprechenden Aufgaben von anderen Bediensteten mitübernommen werden könnten. In den Erläuterungen zum Begutachtungsentwurf geht man für die Jahre 2011 bis 2014 jeweils von Einsparungen von 1,8 Mio. Euro aus. Angenommen wird, dass in den nächsten Jahren etwa ein Drittel der neuen Väter im Bundesdienst die Frühkarenz in Anspruch nehmen wird, also zirka 850. Der "Papa-Monat" im öffentlichen Dienst soll Heinisch-Hosek zufolge auch ein Anstoß für eine Diskussion eines solchen für die Privatwirtschaft sein.

Vor einigen Vätern mit kleinen Kindern auf dem Arm präsentierte die Ministerin außerdem die Kampagne "Echte Männer gehen in Karenz". Die Kampagne besteht u.a. aus Fernseh- und Kinospots und Inseraten, sie kostet etwa 500.000 Euro. Im Oktober lag der Männeranteil bei den Kindergeldbeziehern bei knapp 4,5 Prozent. Heinisch-Hoseks Ziel: In zehn Jahren sollen 20 Prozent der Väter in Karenz gehen. "Bitte nehmt euch doch diese Zeit", appellierte die Ministerin an die Männer. Um die Unternehmen zu sensibilisieren, starte man Ende November gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S), den Sozialpartnern und der Industriellenvereinigung außerdem eine Informationsoffensive in der Wirtschaft.