Erstellt am 20. Januar 2014, 10:06

Parteispitze versucht nach Freund-Fauxpas zu kalmieren. Eigentlich wollte die SPÖ bei ihrer Klubklausur in Frauenkirchen der eigenen Fraktion ihren neuen Hoffnungsträger für die EU-Wahl Eugen Freund schmackhaft machen.

Überschattet wurde der Premieren-Auftritt des Ex-ORF-Journalisten aber durch seine Aussagen im "profil"-Interview, als er meinte, ein Arbeiter verdiene so 3.000 Euro. Die Parteispitze versucht nun zu beschwichtigen.

Tatsächlich erhält ein Arbeiter im Schnitt nämlich einen Lohn von deutlich unter 2.000 Euro. Als Freund das von "profil" erfuhr, meinte er erstaunt: "Das ist sehr wenig." Er könne aber nichts dafür.

"Noch immer ein guter Spitzenkandidat"

Die SPÖ, immerhin ihrer Tradition nach Arbeiterpartei, vergibt ihrem Spitzenkandidaten dessen Fehl-Schätzung: "Weil er sich einmal bei einer Zahl verschätzt, ist er noch immer ein guter Spitzenkandidat", meinte Kanzler Werner Faymann am Rande der Klubklausur gegenüber Journalisten.

Auch Klubobmann Andreas Schieder wollte die Sache nicht dramatisieren. Ein Facharbeiter im 40. Lebensjahr verdiene ja tatsächlich in dieser Dimension und Freund solle ja nicht Chef von Statistik Austria werden sondern Österreich in Brüssel vertreten.

Niessl von Fähigkeiten Freunds überzeugt

Dass er das gut kann, ist auch der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl überzeugt. Offenbar verdiene man in Freunds Umfeld so viel und er habe gedacht, das sei überall so. Nichtsdestotrotz sei Freund in Innen- und Außenpolitik beschlagen und biete der SPÖ die Chance, diesmal Nummer eins bei der EU-Wahl zu werden.

Am schwersten taten sich die Gewerkschafter, die Sache herunterzuspielen. ÖGB-Vizechefin Sabine Oberhauser meinte, Freund müsse als Neuling in der Politik noch lernen. Er habe eine zweite Chance verdient.

"Unglückliche Aussage"

"Nicht froh" äußerte sich FSG-Chef Wolfgang Katzian über die "unglückliche Aussage" des Spitzenkandidaten. Freund sei aber neu im Geschäft: "Am Anfang darf ein Fehler passieren."

Kurz und bündig die Aussage von Rainer Wimmer, als pro-ge-Vorsitzender Chef der größten Arbeitergewerkschaft, zu Freunds Unkenntnis über das durchschnittliche Gehalt eines Arbeiters: "Jetzt weiß er es."

Freund bemühte sich in Selbstverteidigung: "Man kann nicht alle Zahlen im Kopf haben."