Erstellt am 11. September 2013, 12:25

Pilotprojekt zur doppelten Buchführung für Gemeinden. Ein Pilotprojekt zur Einführung der doppelten Buchführung auf Gemeindeebene läuft derzeit im Burgenland an.

Zehn Kommunen beginnen ab Herbst als Testgemeinden mit der Umstellung vom kameralistischen System auf das doppische Rechnungswesen, erläuterte Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (ÖVP) am Mittwoch in Eisenstadt vor Journalisten.

"Doppik": Mehr Transparenz gegenüber Kameralistik

Die Doppik bringe gegenüber dem herkömmlichen System wesentliche Vorteile und verspreche mehr Transparenz durch aussagekräftigere Kennzahlen, so Steindl.

Im kameralistischen System, das sich weitgehend auf Einnahmen und Ausgaben stütze, fehlten etwa die Erfolgs- und die Vermögensrechnung. "Wichtige Indikatoren, wie die Abschreibung zum Beispiel kennt die Kameralistik nicht", erklärte der Gemeindereferent. Somit sei die Nachhaltigkeit nicht gegeben.

Das Burgenland beginne als erstes Bundesland mit der Umstellung des Rechnungswesens im kommunalen Bereich. An dem Vorhaben sind neben Gemeinden aus allen Landesteilen auch drei Softwareanbieter sowie Bundes- und Landesstellen beteiligt. Die Kosten von rund 100.000 Euro für das erste Modul werden aus Bedarfszuweisungen finanziert.

Auch in Kärnten und Salzburg könnte bald umgestellt werden

Wie im Bund soll auch in den Kommunen die sogenannte Drei-Komponenten-Rechnung umgesetzt werden. Die Kameralistik werde jedoch nicht von heute auf morgen "abgedreht", erläuterte Romuald Bertl, Leiter des Instituts für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen der Wirtschaftsuniversität Wien.

Aktuell werde noch in Kärnten und Salzburg über eine Umstellung nachgedacht. Er gehe davon aus, dass es letztlich einen einheitlichen Standard für alle Kommunen geben werde, so Bertl. Das Burgenland soll den Beitrag leisten, festzustellen, wie dies unter österreichischen Verhältnissen - in einem kleinstrukturierten Bereich - umgesetzt werden könne.

Derzeit werde von den Gemeinden auf Basis der Kameralistik mit dem verfügbaren Datenmaterial eine reine Finanzierungsrechnung dargestellt. Diese soll erweitert werden, damit am Jahresende eine Bilanz erstellt werden kann.

Swapgeschäfte würden im neuen System auf jeden Fall aufscheinen

Dazu sollen auch die Vermögenswerte der Gemeinden inventarisiert werden, erläuterte der Institutsleiter. Die bekannte Kameralistik mit Voranschlags- und Finanzierungsrechnung bleibe aufrecht und werde durch die Erfolgs- und die Vermögensrechnung ergänzt.

Künftig habe man die Chance, Gemeinden konsolidiert zu betrachten. Ein Auslagern von Schulden sollte in Zukunft nicht mehr möglich sein, meinte Bertl. Er sehe den Aufwand für die Umstellung nicht sehr groß.

In der Doppik wäre es nicht möglich, dass Haftungen oder Swapgeschäfte, die mit Verlusten behaftet sind, überhaupt nicht aufscheinen", sagte Bertl. "Somit haben die Gemeindeorgane ganz neue Kontrollmechanismen." Der wirkliche Aufwand liege in der Umstellung der Denkweise in den Kommunen bei den Bürgermeistern und Gemeinderäten.