Erstellt am 16. Mai 2011, 11:35

Politiker nach Treichl-Sager beleidigt. Der Rundumschlag von Erste Group-Chef Andreas Treichl sorgt für Aufregung in der heimischen Politik und bei den Wirtschaftstreibenden.

Der Rundumschlag von Erste Group-Chef Andreas Treichl sorgt für Aufregung in der heimischen Politik und bei den Wirtschaftstreibenden. Treichl hatte am Freitag auf einer ÖVP-Veranstaltung gemeint, Österreichs Politiker seien "zu blöd und zu feig", und hätten von Wirtschaft keine Ahnung. Während die ÖVP-Spitze schweigt, warf die SPÖ Treichl Arroganz und Abgehobenheit vor.

Kreditvergaben an vertrauenswürdige heimische Firmen seien im Vergleich zu Ausleihungen an notleidende Staaten wie Griechenland zu streng reglementiert, hatte Treichl gemeint und fügte hinzu: "Das ist eine Frechheit, das ist ein ganz grober Fehler. Unsere Politiker sind zu blöd und zu feig dazu und zu unverständig dafür, weil sie von der Wirtschaft keine Ahnung haben um dagegen zu wirken und das wird Österreich schaden und wir werden hinter andere Länder zurückfallen."

"Also ich finde, es ergibt ein sehr schlechtes Bild, wenn man zuerst die Politik und die Menschen um Hilfe bittet und wenn man dann die Hilfe bekommen hat, Raffgier und Abgehobenheit an den Tag legt", kritisierte SPÖ-Staatssekretär Ostermayer in der ORF-ZIB am Sonntagabend. "Damals, am Höhepunkt der Finanzkrise, sei etlichen Bankmanagern Angst ins Gesicht geschrieben gewesen, jetzt weicht es offenbar wieder ein bisschen in Arroganz."

Auch ÖGB-Chef Foglar findet den Rundumschlag von Treichl "völlig unangemessen", wie er zum "Kurier" sagte. In der Sache teilt Foglar aber die Kritik Treichls an der Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für Kredite an Unternehmen. Diese würden die Realwirtschaft abwürgen.

Teilweise hinter Treichel stellt sich die Opposition. Der Ton sei vielleicht ein bisschen unüblich, aber er "auch die Grünen kritisieren regelmäßig, dass die Kredite in die Realwirtschaft gegenüber den spekulativen Veranlagungen wesentlich schlechter gestellt sind," so der grüne Budgetsprecher Kogler.

BZÖ-Chef Bucher zeigte sich verwundert über die "Aussage eines Bankers, wenn er die Politiker beschimpft gerade nach einigen Jahren, wo wir den Banken massiv geholfen haben, bzw. der Steuerzahler massiv geholfen hat. Und da sollte man den Mund eher nicht so voll nehmen." Auch er glaubt aber, dass die Kreditvergaben falsch seien. FPÖ-Generalsekretär Vilimsky gibt Treichl inhaltlich zwar recht, glaubt aber: "wir sind damit nicht gemeint".

Treichl selbst gab sich am Montag eher zurückhaltend: "Offensichtlich muss man emotionelle Bemerkungen machen, um damit andere emotionelle Bemerkungen zu beenden und eine Sachebene zu erreichen." Ansonsten wolle er sich zur Frage heute nicht äußern: "Es gibt überhaupt keinen Anlass, unprofessionelle Äußerungen zu machen, um unprofessionelle Äußerungen der Politik zu beenden."