Erstellt am 13. August 2012, 11:46

Politologen sehen gute Chancen für Stronach. Der Industrielle Frank Stronach könnte es mit seiner Partei durchaus in den Nationalrat schaffen. Das sagten der Meinungsforscher Peter Hajek und der Politologe Thomas Hofer im Gespräch mit der APA am Montag. Stronach würde dabei vor allem der FPÖ und dem BZÖ Stimmen abjagen, schätzen beide Politexperten.

Mit seinen Positionen "raus aus dem Euro, rein in den Schilling" und die "EU ist böse" würde Stronach vor allem den Rechtsparteien schaden, sagte Hofer. Da er sich weniger als Wirtschaftsexperte positioniert habe, halte sich der Schaden für die ÖVP dagegen bisher in Grenzen.

Die SPÖ und die Grünen können einem Antreten Stronachs gelassener entgegensehen, auch mit den Piraten gebe es wenig Schnittmenge, meinte auch Hajek. Bei den Nichtwählern sieht Hajek ebenfalls kein großes Potenzial für neue Parteien. Nichtwähler, die schon zwei oder drei Mal nicht zur Urne gegangen sind, würden nur bei echten Richtungsentscheidungen dorthin zurückkehren. "Dass Stronach und die Piraten eine große Hebung der Wahlbeteiligung bewirken, glaube ich nicht", so Hajek.

Hofer schätzt die Chancen Stronachs bei den Nichtwählern dagegen größer ein. Der Austrokanadier hätte prinzipiell ein "sehr großes Potenzial". Es sei jetzt aber noch schwer zu sagen, wie viel davon er abschöpfen könne. Mit dem von Stronach angekündigten Wahlkampfbudget von über 20 Mio. Euro sei ein Einzug in den Nationalrat jedenfalls schaffbar. Stronach habe die nötige Bekanntheit und die nötigen finanziellen Möglichkeiten für eine gute Kampagne, meinte auch Hajek.

Stronach habe aber auch Schwachpunkte, so Hofer. Dazu zählen seine teils "extremen Positionen" und seine Steuerveranlagung - der Industrielle soll den Großteil seines Vermögens steuerschonend im Schweizerischen Zug veranlagt haben. Zudem habe er den Nachteil, als Nicht-Parlamentspartei an den großen TV-Diskussionen nicht teilnehmen zu können. Angesichts seiner bisherigen TV-Auftritte könnte das aber auch ein Vorteil sein, so Hofer. Denn ein gewisser "Peinlichkeitsfaktor" sei gegeben.