Erstellt am 21. Februar 2011, 12:55

Radhelmpflicht für Kinder - Umsetzung unklar. Beim Thema Radhelmpflicht für Kinder ist am Montag die zweite Diskussionsrunde eingeläutet worden. Nach dem Vorstoß von Verkehrsministerin Dores Bures (S), eine Helmpflicht für unter Zehnjährige einführen zu wollen, gab es allerdings auch Ablehnung.

Vor allem die Autofahrerclubs zeigten sich über mögliche gesetzliche Regelungen überaus skeptisch. Als größte Probleme gelten die Umsetzung der Bestimmung sowie die Kompetenzgrenzen zwischen Ländern und Bund, die quasi haarscharf an den Straßenrändern verlaufen.

Eine entscheidende Frage beim Thema Helmpflicht für Kinder ist: wo? Denn auf Straßen, wo die Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt, stellt der Bund - sprich: das Verkehrsministerium - die Regeln auf. Abseits davon, vom Feldweg bis zum Spielplatz, haben ausschließlich die Länder das Sagen. Bestes und bisher einziges Beispiel ist Niederösterreich: Dort gibt es die Helmpflicht für Radfahrer unter 15 schon seit 2009 - jedoch nur auf nichtöffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen.

Seitens des Verkehrsministeriums propagiert man dennoch weiterhin eine gesetzliche Bestimmung. Das Argument aus dem Büro Bures: Wer im Straßenverkehr einen Helm trägt, wird ihn ja im freien Geländen nicht plötzlich abnehmen. Untermauert wurde diese Ansicht mit Unfallzahlen aus einer Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Demnach sei, wie Bures am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" betonte, ein dramatischer Anstieg bei verunfallten Kindern im Straßenverkehr registriert worden. Radunfälle seien in diesem Bereich innerhalb eines Jahres von 3.000 auf 4.000 gestiegen, jede zweite Verletzung bei unter Zehnjährigen sei dabei eine Kopfverletzung.

Diese Zahlen erhielten am Montag Konkurrenz. Laut Innenministerium, dessen aktuellste Werte aus dem Jahr 2009 stammen, verunglückten 3.197 Kinder im Alter von null bis 14 Jahren im Straßenverkehr. "Davon verunglückten 779 als Fußgänger, 606 als Lenker eines Fahrrades und 1.331 als Mitfahrer im Pkw. Von den 606 verunglückten Kindern mit einem Fahrrad waren 124 Kinder sechs bis neun Jahre alt und 482 Kinder zehn bis 14 Jahre alt", hieß es. Nachsatz: "Statistiken in den Medien, die zeigen, dass Radunfälle von Kindern im Bereich eines Jahres von 3.000 auf 4.000 angestiegen sind, sind dem BMI nicht bekannt."

Für den Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sind die Bestrebungen, das Tragen von Radhelmen für Kinder gesetzlich zu verankern, "zweifelhaft": Im Jahr 2009 seien in Österreich 138 Kinder unter zehn Jahren beim Radfahren verletzt worden, um 32 weniger als im Jahr 2005. Und die vorläufigen Unfallzahlen für das Jahr 2010 würden einen weiteren Rückgang um zehn Prozent zeigen. "Der Großteil der Radstürze bei denen Kinder verletzt werden, passieren im Freizeitbereich, also auf Spielplätzen, im Hof von Wohnanlagen oder im Garten zu Hause", sagte Martin Blum vom VCÖ.

Blum verwies diesbezüglich darauf, dass in Österreich "bereits 87 Prozent der Kinder beim Radfahren einen Helm tragen, im Jahr 2006 waren es nur 60 Prozent und im Jahr 2001 nur 43 Prozent. Es ist daher zu bezweifeln, dass durch eine Radhelmpflicht dieser Anteil auf 100 Prozent steigen wird".

In ein ähnliches Horn stoßen die Autofahrerorganisationen ÖAMTC und ARBÖ. Beim Club hätte man sich zwar "mehr Aufklärung auf freiwilliger Basis" gewünscht, würde ein Gesetz aber nicht grundsätzlich ablehnen. Für den ARBÖ wäre eine für alle Altersgruppen geltende Helmpflicht die beste Lösung. Allerdings sehen beide gerade bei der Umsetzung einer Bestimmung für Kinder Hindernisse. Denn wird ein Neunjähriger ohne Helm am Rad erwischt, kann er dafür nicht bestraft werden. "Und irgendwo hört dann auch die Verantwortung der Eltern auf", so ein ARBÖ-Sprecher. Diese könnten ja ihren Sprössling nicht pausenlos auf Tritt und Tritt begleiten um sicher zu gehen, dass er einen Kopfschutz trägt.

Das Vorhaben der Verkehrsministerin erfuhr übrigens Unterstützung aus Niederösterreich. Landeshauptmann Erwin Pröll (V), der sein Land als "Trendsetter bei der Radhelm-Pflicht für Kinder" bezeichnete, begrüßte den Vorstoß von Bures. Allerdings wird die Regelung in Österreichs größtem Bundesland seit 15 Jahren von einer Aktion begleitet: Dort werden nämlich Radhelme kostengünstig (aktuell: sechs Euro pro Stück) angeboten.