Erstellt am 17. April 2013, 00:00

Reaktionen. Blaue Revolte / Chaos nach Parteitag-Schlappe für FPÖ-Chef Tschürtz: Zwei Lager sorgen intern für Verwirrung. Jetzt soll aufgeräumt werden.

Ursachenforschung. Hans Tschürtz (r.) mit seinem Parteisekretär Géza Molnár (M.) und FPÖ-Landesgeschäftsführer Siegfried Zeltner: "Es ist wirklich nicht in Ordnung, wenn da versucht wurde, unter dem Tisch irgendetwas zu manipulieren!"  |  NOEN

Das Debakel kam einigermaßen überraschend – aber nicht für alle. Nachdem FPÖ-Chef Hans Tschürtz beim Parteitag in Oberschützen mit nur 71,4 Prozent der Delegiertenstimmen wiedergewählt wurde, ist bei den Freiheitlichen die Rede vom Kampf zweier Lager.

Tschürtz ist jetzt nicht nur vom Ergebnis enttäuscht, sondern auch, „weil da verdeckt und versteckt gearbeitet wurde“. Die Parteifunktionäre und Bezirksobmänner haben eine Vermutung, welche Kräfte hinter dem blauen „Putschversuch“ stecken könnten. Von einem Gegenkandidaten war bislang aber noch nicht die Rede. Tschürtz will, dass sich die Unzufriedenen nun klar deklarieren: „Ich rede ja auch offen und ehrlich. So wie ich gesagt habe, dass wir bei der nächsten Landtagswahl keinen Regierungssitz schaffen werden. Es gibt auch viele, die diese Ehrlichkeit zu schätzen wissen.“

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„Es ist gekommen, wie es kommen musste“

Dass die Stimmung in der FPÖ schlecht ist, liegt jedenfalls auf der Hand. Nicht nur von Urgesteinen wie dem aus der Partei ausgeschlossenen Südburgenländer Ernst Karner ist zu hören, „dass es ja so kommen musste“. Auch Tschürtz‘ Stellvertreter wurden abgestraft: Ilse Benkö erhielt 59,5 Prozent der Stimmen und nahm die Wahl nicht an, Gerhard Kovasits kam auf nur 53,3 Prozent. Das beste Ergebnis erzielte FP-Bundesvize Norbert Hofer mit 83,8 Prozent.

Für ein erstes „reinigendes Gewitter“ hat bereits Bundeschef Heinz-Christian Strache persönlich gesorgt. Und von ihm hat Tschürtz auch „1.000 Prozent Rückendeckung“, wie er sagt. „Und deshalb werde ich der FPÖ immer erhalten bleiben, egal was kommt.“

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Reaktionen nach Parteitag-Schlappe

FPÖ-Obmann Hans Tschürtz: „Es geht nicht nur um mich, sondern auch um die Stellvertreter. Das alles ist ja nicht witzig. Auch Mitglieder des Landesvorstandes haben mir die Stimme nicht gegeben, obwohl sie mich einstimmig als Kandidat vorgeschlagen haben.“

FPÖ-Bundeschef HC Strache: „Wenn jemand meint, dass er die Arbeit besser macht als der Hans, gibt es immer die Möglichkeit zu kandidieren.“

Abgeordnete Ilse Benkö: „Ich bin ja auch ein Buhmann. Ich habe die Partei entschuldet, da ist man nicht überall beliebt. Was mich stört, ist, dass sich keiner offen als Gegenkandidat präsentiert hat.“

Landesgeschäftsführer Siegfried Zeltner: „In der Grundstimmung des Parteitages war nichts zu merken. Aber es ist offensichtlich, dass es jemanden geben muss, der im Untergrund etwas vorbereiten wollte.“

Abgeordneter Gerhard Kovasits: „Diese Ergebnisse kamen völlig aus heiterem Himmel und es war auch für mich eine totale Überraschung. Ich hatte zuvor mit niemandem Differenzen, es gab keine Intrigen.“

FPÖ-Sekretär Géza Molnár: „Ich bin der Meinung, dass Tschürtz Obmann bleiben soll. Was nicht passieren darf, ist ein Selbstzerfleischungsprozess. Klar ist aber, dass vieles in Frage steht – da nehme ich mich als Parteisekretär nicht aus."