Erstellt am 23. Mai 2012, 16:38

Rechtsextremist Küssel schwieg vor Gericht. Am zweiten Tag im Prozess rund um die neonazistische Homepage "alpen-donau.info" hat der Hauptangeklagte Gottfried Küssel sich jeder Aussage enthalten.

Auch der Mitangeklagte Felix B. schwieg. Etwas redeseliger zeigte sich der weitere Mitangeklagte Wilhelm A., der wortreich seine Beteiligung an der Homepage bestritt. Am Vormittag hatten sich zunächst alle drei Beschuldigten nicht schuldig bekannt. "Da die Anklage falsch ist, muss ich mich der Aussage entschlagen." Mit diesen Worten gab Küssel seine Absicht kund. Kenner der Szene zeigten sich äußerst überrascht: Küssel habe bisher noch jedes Mal zu viel geredet, wenn er vor Gericht gestanden sei, meinten sie. Felix B. antwortete auf die frage von Krainz, ob er aussagen wolle, mit einem knappen "Nein".

Die Angeklagten wurden gesondert einvernommen. Wilhelm A. stand in Abwesenheit seiner Mitangeklagten Rede und Antwort. Der Drittangeklagte sagte, er sei an einer Arbeitsgemeinschaft namens Perfect Privacy beteiligt - ein internationaler Zusammenschluss, der für Datenschutz im Internet sorgen will. Küssel habe er nur einmal getroffen, vor sieben bis acht Jahren. "Mit Küssel bin ich an sich nicht in Kontakt geblieben." Zu Felix B. sagte der Drittangeklagte, er habe ihn getroffen, man habe sich über "tagesaktuelle Themen" unterhalten, in weiterer Folge kam es zu Mailkontakten. Krainz meinte, alle Genannten hätten die Gemeinsamkeit, dass sie in durchaus rechten Kreisen verkehren. "Das kann man sicher so sagen", erklärte der Angeklagte.

Wilhelm A. bestätigte, dass er ein Mail "vom Account bekommen, der normalerweise dem Herrn Küssel zuzuordnen ist - das ist mit Vorsicht zu genießen - und er hat mich gebeten, gewisse Domains für ihn zu reservieren". Es sei um zwei Domains "im Themengebiet Alpen-Donau" gegangen, die nach dem Vorbild von der deutschen rechtsextremen Plattform "Altermedia" online gehen sollten. Wilhelm A. lehnte das Ansinnen Küssels in einem Antwortmail letztlich ab - er wolle damit nichts zu tun haben. Warum? "Sie kennen wahrscheinlich die Geschichte des Herrn Küssel, normalerweise kommt dabei ned recht viel G'scheites heraus", sagte Wilhelm A.