Erstellt am 27. Juli 2012, 12:18

Regierungsbekenntnis zu Beschneidungen gefordert. Ein klares Bekenntnis der Regierung zur Religionsfreiheit und der Zulässigkeit der männlichen Beschneidung haben Kirchenvertreter am Freitag gefordert.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Deutsch, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) Sanac, Bischofskonferenz-Generalsekretär Schipka und der evangelische Bischof Bünker drückten gemeinsam ihre Sorge aus.

Die Debatte sei vom Ausland nach Österreich transportiert worden und dem Land "nicht würdig", verwies Sanac auf die Tradition und die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Das Urteil eines Kölner Gerichts, das Beschneidung als strafbare Körperverletzung qualifiziert hatte, fuße auf der deutschen Rechtslage, diese sei ungeklärt, erklärte Bünker. "In Österreich ist die rechtliche Lage klar." Beschneidungen "sind in Österreich völlig legal", versicherte auch Deutsch.

Dass Justiz- und Gesundheitsministerium daher bisher keinen Änderungsbedarf sahen, begrüßten zwar alle Seiten, dennoch forderten sie ein klares Bekenntnis von "höchster Stelle", also Regierungsspitze, das die rechtliche Zulässigkeit und die Religionsfreiheit garantiere und die Diskussion damit "friedlich beenden solle". Auch an die Staatsanwaltschaften und die Landeshauptleute - der Kärntner Landeshauptmann Dörfler (FPK) hatte zuletzt ein Verbot gefordert - sollten entsprechende Mitteilungen ergehen.

Ohne Beschneidung wäre es Juden und Moslems nicht mehr ohne Einschränkungen möglich, in Österreich zu leben, betonte Deutsch. Ein Verbot würde daher einer "geistigen Vertreibung" nahekommen, schloss er sich der Aussage seines Vorgängers in der IKG, Ariel Muzicant an, der am Donnerstag ein Beschneidungsverbot mit der Vernichtung der Juden verglichen hatte.