Erstellt am 14. Januar 2013, 10:34

Regierungsmitglieder haben fast alle gedient. In der Debatte um Wehrpflicht und Zivildienst können fast alle Regierungsmitglieder aus eigener Erfahrung mitreden.

 |  NOEN, Erwin Wodicka
Mit Ausnahme von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) waren alle tauglich und haben auch ihren Dienst geleistet - die ÖVP-Männer beim Heer und die SPÖler eher als Zivis. Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) war bekanntlich Zivildiener, er diente bei der Jungarbeiterbewegung.

Bundeskanzler Werner Faymann (S) war als Zivildiener beim SP-nahen Verein Junges Wien. Vizekanzler Michael Spindelegger (V) war beim Bundesheer und hat sich sogar als Einjährig-Freiwilliger verpflichtet. Der Oberbefehlshaber des Bundesheers, Bundespräsident Heinz Fischer, hat 1958 im Telegrafen-Batallion in Wien gedient.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S), der die Wehrpflicht-Debatte 2010 angezettelt hatte, war als Panzergrenadier in Mautern. Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) war bei der ABC-Abwehrschule. Ihren Dienst beim Bundesheer abgeleistet haben aus der VP-Regierungsriege auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, die Staatssekretäre Reinhold Lopatka und Sebastian Kurz sowie ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf.

Von den SPÖ-Ministern hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer beim Heer gedient. Die Staatssekretäre Andreas Schieder und Josef Ostermayer waren wie Darabos und Faymann Zivildiener - Schieder bei der Kinder- und Jugendbetreuung der Stadt Wien und Ostermayer in einem Mädchenheim der Bewährungshilfe Wien.

Einige Politiker waren untauglich: Gesundheitsminister Stöger wegen einer Stoffwechselerkrankung, die bei Jugendlichen auftritt. Für Kritik sorgte kürzlich die Untauglichkeit von ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch: Er soll seinen Grundwehrdienst wegen des Studiums verschoben haben und dann bei der zweiten Stellung wegen einer gebrochenen Kniescheibe für untauglich erklärt worden sein.

Die Oppositionschefs Heinz-Christian Strache (F) und Josef Bucher (B) haben sich für das Bundesheer entschieden. In der Wehrpflicht-Frage vertreten sie wie die Regierungsparteien aber unterschiedliche Meinungen, die FPÖ ist für die Beibehaltung der Wehrpflicht, das BZÖ ist für ein Berufsheer.

In der Debatte um das Bundesheer wurden auch die Kinder der Politiker ins Spiel gebracht. So argumentierten etwa Bundeskanzler Faymann und Grünen-Chefin Eva Glawischnig gegen die Wehrpflicht damit, dass es auch um die Zukunft ihrer Kinder gehe. VP-Chef Spindelegger, der wie Glawischnig zwei Söhne hat, meint, es sei deren Entscheidung, ob sie zum Bundesheer gehen. Er würde es ihnen aber nahelegen, weil er selber beim Militär gute Erfahrungen gemacht habe. Dem Sohn vom Häupl ist der militärische Dienst bereits erspart geblieben, der Jugendkoordinator der Sozialdemokraten in Wien war nach Angaben der Wiener SPÖ untauglich.