Erstellt am 03. März 2014, 19:12

Rupprechter bekräftigt Vorstoß für Homosexuelle. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hat seinen Vorstoß für ein Adoptionsrecht für Homosexuelle verteidigt.

Am Rande des EU-Umweltministerrats in Brüssel am Montag sagte Rupprechter, er sei "nicht bereit, diese Menschen auszugrenzen". Es sollte einen "offenen Zugang" in dieser Frage geben. Er sei jedenfalls "gegen eine Diskussionsverweigerung".

Angesprochen auf innerparteiliche Kritik an seinen Aussagen meinte Rupprechter: "Ich habe das nicht so empfunden, als ob mir jemand ins Gesicht gefahren ist. Zumindest habe ich keine Spuren". Auf der anderen Seite sei dies keine Forderung von ihm. Er habe lediglich eine Frage eines Interviewers beantwortet. "Man hat mich vielleicht in eine falsche Schublade eingereiht. Man soll mit dem Schubladisieren aufpassen". Er akzeptiere gleichzeitig die ÖVP-Parteilinie.

Es geht nicht um Toleranz, sondern um Akzeptanz

Für manche sei es "vielleicht überraschend, dass ich mich in dieser Frage so geäußert habe". In seinem familiären und persönlichen Umfeld "gibt es nicht wenige homosexuelle Menschen, die ich kenne und sehr lieb habe. Ich bin nicht bereit, diese außen vor zu lassen oder auszugrenzen". Man müsse "diese Menschen annehmen und akzeptieren. Da geht es nicht um Toleranz, sondern um Akzeptanz". Er kenne homosexuelle Partnerschaften seit vielen Jahren, "wo sich Kinder wohl fühlen".

"Ich stelle mich auch der Diskussion und trete dafür ein, diese offen anzugehen und nicht mit Dialog- und Diskussionsverweigerung zu operieren, sondern offen hineinzugehen. Ich habe auch entsprechend positive Reaktionen bekommen". Seinen Kritikern, die meinten, dass "das nicht mit meinen christlichen Wurzeln vereinbar" sei, empfahl er, "nachzulesen, was unsere oberste Autorität auf der Erde, in meiner Glaubensgemeinschaft Papst Franziskus, zur Frage der Homosexualität sagt: Wer bin ich, dass ich darüber urteile. Und wenn der Heilige Vater das sagt, gilt das für mich", so Rupprechter.

FPÖ kritisiert Aussagen

Die Grünen zeigten sich über den Vorstoß Rupprechters erfreut. Auch die SPÖ-Frauen werteten es positiv, dass Rupprechter die Diskussion in der ÖVP vorantreibt. Kritik an den Aussagen des Ministers übte hingegen die FPÖ.

"Dieser Vorstoß zeigt einmal mehr, dass auch die ÖVP die Zeichen der Zeit nicht mehr übersehen", stellte Marco Schreuder, Bundessprecher der Grünen Andersrum, fest. Für die Reaktion von ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel, der sogleich erklärt hatte, die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare sei für die Partei "kein Thema", hat Schreuder "kein Verständnis": "Die Frage der Gleichstellung ist natürlich ein Thema, egal ob die ÖVP das will oder nicht."

Für die FPÖ hingegen ist Rupprechters Aussage "einfach unfassbar". Dabei handle es sich um eine "Forderung, die für die FPÖ niemals zur Debatte stehen darf". Familiensprecherin Anneliese Kitzmüller erklärte, der Landwirtschaftsminister solle sich "lieber darum kümmern, dass es den Bienen gut geht".

Mitterlehner zurückhaltend

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat sich am Rande des EU-Energierats in Brüssel zurückhaltend zur Ansicht von Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) für ein Adoptionsrecht von Homosexuellen geäußert. Rupprechter "hat seine persönliche Meinung geäußert, ich werde das nicht weiter kommentieren", so Mitterlehner auf Anfrage.

Er sei auch formal nicht zuständig. "Es gibt keinen Anlass, zu dem Thema etwas beizutragen". Es müssten, wie Parteiobmann Vizekanzler Michael Spindelegger angekündigt habe, intern mehrere Entwicklungsprozesse diskutiert werden. "Dann werden wir weiter sehen, ob sich die Position ändert oder nicht". Es sei offen, ob es in Richtung Problemlösung oder Weiterführung gehe.