Erstellt am 17. Oktober 2012, 14:03

Schere zwischen Arm und Reich schadet Gesellschaft. Die Armutskonferenz hat anlässlich des heutigen Internationalen Tags der Beseitigung von Armut am Mittwoch vor den Auswirkungen einer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich für die Gesellschaft gewarnt.

Laut Statistik leben 511.000 Österreicher unter der Armutsgrenze, was sich negativ auf ihre Lebenserwartung und Gesundheit auswirke, und am Ende höhere Kosten für die Gesellschaft bedeute.

Die Ungleichheit in Österreich wachse, so Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich. In vielen Haushalten müsse am Monatsende die Entscheidung getroffen werden, ob man die Miete zahlen oder sich beim Supermarkt Essen kaufen wolle. "Das sind Entscheidungen, die furchtbar sind, die aber in Österreich stattfinden."

Grund für die Unterschiede ist laut Schenk die steigende Zahl von Menschen mit prekären Jobs, die von ihrem Gehalt nicht mehr leben können. Noch stärker seien die Unterschiede beim Vermögen, in das auch Immobilien, Aktien und Unternehmensbeteiligungen einberechnet werden: "Die obersten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen die Hälfte des Gesamtvermögens."

"Diese Schere kommt uns teuer," sagte Schenk und zählte unter anderem chronische Krankheiten, eine geringere Lebenserwartung, mehr Schulabbrecher und vollere Gefängnisse als volkswirtschaftliche Folgen auf. All dies bewirke höhere Kosten für die Gesamtgesellschaft. Die 10.000 Schüler etwa, die jährlich die Schule abbrechen, kosten dem Staat durch steigende Sozialausgaben, höhere Gesundheitskosten und entgangene Steuereinnahmen 3 Milliarden Euro, rechnete Schenk vor. Die wirtschaftliche Krisensituation trage dazu bei, die Schere zu vergrößern.

Die Armutskonferenz fordert Gegenmaßnahmen. Sie will, dass nicht nur in den Finanz- und Bankensektor investiert wird, sondern auch in die "Stabilisierung des sozialen Ausgleichs."