Erstellt am 14. September 2011, 14:12

Schüssel erinnert sich nicht an Haider-Schreiben. Die umstrittene Einbürgerung von zwei russischen Geschäftsleuten Anfang 2007 durch die Republik Österreich auf Intervention des damaligen Kärntner Landeshauptmannes Haider hat am Mittwoch erneut für Aufregung gesorgt. Ex-Bundeskanzler Schüssel hat bei einer Einvernahme zu Protokoll gegeben, er könnte sich nicht mehr an den von Haider an ihn geschickten Brief erinnern.

Haider hatte Schüssel als damaligen interimistischen Innenminister aufgefordert, die beiden Russen in der letzten Regierungssitzung der ÖVP-BZÖ-Koalition noch rasch einzubürgern, was am 11. Jänner 2007 auch tatsächlich geschah. Bei seiner Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft habe Schüssel angegeben, sich an die gegenständlichen Fälle nicht mehr erinnern zu können, schreibt das Magazin. Als der Alt-Kanzler mit dem an ihn adressierten Interventionsschreiben Haiders, datiert mit 9. Jänner 2007, konfrontiert worden sei, habe er zu Protokoll gegeben, dass er dieses Schreiben jetzt "zum ersten Mal sehe".

Die beiden Russen sollen das Sponsoring des Kärntner Formel-1-Piloten Patrick Friesacher übernommen haben. Haider hatte den Motorsportler 2005 völlig überraschend als neuen Piloten im Team Minardi präsentiert. Vorgestreckt wurden die nötigen zwei Mio. US-Dollar allerdings von der Kärntner Hypo Bank. Erst nach Erhalt der Staatsbürgerschaft sollen die Russen dazu bereit gewesen sein, das überzogene Konto bei der Hypo vollständig auszugleichen.

Ein Restbetrag von 190.000 Euro wurde von Franz Koloini, dem ehemaligen Haider-Protokollchef, behoben. Letztlich soll Haider das Geld in bar von seinem Vertrauten erhalten haben. Nun muss sich Koloini, für den die Unschuldsvermutung gilt, in der Causa Mitte Oktober in Wien wegen des Vorwurfs der Geldwäsche vor Gericht verantworten.