Erstellt am 18. Juni 2014, 11:13

SJ: „Cannabis für alle“. Sozialistische Jugend will sachliche Debatte und staatlich kontrollierte Abgabe. Zustimmung gibt’s nur von den Jungen Grünen.

Cannabis-Kampagne am Nova Rock: Die SJ-Bundesvorsitzende Julia Herr (l.) und Nadine Lenzinger mit Festivalbesuchern. Herr und Co. fordern eine »wissenschaftlich fundierte« Neubewertung der Diskussion und weisen auch auf »die Gefahren gesellschaftlich akzeptierter Drogen« hin. Foto: SJ  |  NOEN, SJ

Als die Burgenländerin Julia Herr zur neuen Bundes-Chefin der Sozialistischen Jugend gewählt wurde, kündigte sie Aufsehen erregende Aktionen an. Die erste ging beim Nova Rock in Nickelsdorf über die Bühne, als die SJ ihre Kampagne für eine staatlich kontrollierte Abgabe von Cannabis präsentierte.

„Jugend muss man zugestehen, dass sie in mancher Hinsicht aufbegehrt“

Herr verweist dabei auf die wirtschaftliche Bedeutung einer Freigabe: „Der Drogenkriminalität wird der Nährboden entzogen und Millionenbeträge werden vom Schwarzmarkt in die Staatskassen umgeleitet.“ Vor allem gehe es um eine Versachlichung der Debatte und um das Aufräumen mit Klischees.

Bei der SPÖ Burgenland betont man auf BVZ-Anfrage indes, die SJ sei „eine eigenständige Organisation, die eigenständig handelt“. Landesgeschäftsführer Robert Hergovich: „Der Jugend muss man zugestehen, dass sie in mancher Hinsicht aufbegehrt. Wir haben zu vielen Dingen aber eine andere Meinung – so auch in diesem Fall.“

Grüne planen Eigenes, Ärger bei JVP-Chef Fazekas

JVP-Obmann Patrik Fazekas reagierte verärgert: „Warum die SJ das Nova Rock für parteipolitischen Populismus benutzt hat, ist mir schleierhaft“, spricht er sich gegen die Cannabis-Legalisierung aus. Ein klares Nein gibt es auch von Werner Wassicek vom Ring Freiheitlicher Jugend, der vor einer Freigabe warnt.

Die Jungen Grünen hingegen planen eine eigene Kampagne: „Wir wollen, dass die Möglichkeit besteht, darüber reden zu können“, so Vorstand Flora Petrik. Die Freigabe würde aus ihrer Sicht einen „sicheren Umgang“ mit Cannabis bringen.

Laut Rotem Kreuz und Polizei gab es beim Nova Rock zwar keine Probleme mit „harten“ Drogen, jedoch 87 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz.