Erstellt am 15. Dezember 2010, 00:00

„So gefestigt wie noch nie“. INTERVIEW / Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl ist seit zehn Jahren im Amt. Mit der BVZ spricht er über seine Pläne, verflossene Rücktrittsgedanken und Erfolge.

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VON MARKUS STEFANITSCH

BVZ: Das Jahr 2010 war für Sie eine Hochschaubahn. Zuerst das Asylzentrum Eberau, dann das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der ÖVP. Dennoch sind Sie aus der Landtagswahl so stark wie noch nie hervorgegangen …

Franz Steindl: Es war in der Tat eine Hochschaubahn mit vielen Tiefen und Höhen. Anfang des Jahres habe ich von der Staatsanwaltschaft betreffend das Pflegeheim Strem die Entlastung bekommen. Die Geschichte mit Eberau hat mich persönlich sehr getroffen und ich habe mir damals ernsthaft überlegt, ob ich weitermachen soll. Aber ich habe dann positiv gedacht und mir gesagt, dass ich durch diese Gasse gehen muss. Die Wahl war für mich deswegen ein Erfolg, weil wir die Mandate gehalten und die Absolute Mehrheit der SPÖ gebrochen haben. Durch all diese Erfahrungen bin ich jetzt so gefestigt wie noch nie. In so einer Phase merkt man auch, wie viele Freunde man wirklich hat.

 

BVZ: Welche Projekte oder Maßnahmen der vergangenen zehn Jahre im Burgenland tragen die Handschrift von Franz Steindl?

Steindl: Ich bin stolz darauf, dass es die ewigen Diskussionen um Nord oder Süd nicht mehr gibt. Ich habe 166 offizielle Gemeindebesuche getätigt, bin fast 900.000 Kilometer gefahren und habe über 15.000 offizielle Termine gehabt. Mir macht die Politik nach wie vor Freude. Es sind uns sehr viele Projekte gelungen. Parteiintern denke ich an den Verkauf der Parteizeitung BVZ an ein unabhängiges Unternehmen. Das war damals sehr sensibel und heikel, aber heute ist sie in besten Händen. Und im Gegensatz zur „bf“ gibt es die BVZ immer noch – und das höchst erfolgreich. Generell kann man sagen, dass sich das Burgenland toll entwickelt hat. Wir sind kein großes Land, aber ein großartiges. Im Bereich der Feuerwehr haben wir 100 Feuerwehrhäuser gebaut und zugebaut, 257 Einsatzfahrzeuge angeschafft, die Landessicherheitszentrale errichtet und vieles mehr. Außerdem ist der „Run“ auf die Feuerwehr ungebrochen.

 

BVZ: Als Ihr Steckenpferd gilt jedoch die Wirtschaftspolitik …

Steindl: Das ist eine Erfolgsstory. Wir haben beim EU-Beitritt 1995 8000 Unternehmen gehabt, heuer sind es bereits 14.000. Allein im vergangenen Jahr sind 1000 neue Betriebe hinzugekommen. Bei den Arbeitsplätzen verhält es sich ähnlich. Hier gab es eine Steigerung von 79.000 auf mittlerweile knapp 95.000. Und wir haben in diesem Zeitraum auch den Export um 75 Prozent gesteigert. Das alles war nur möglich, weil wir in der Landesregierung trotz aller parteipolitischen Querelen in der Wirtschaftspolitik alle Beschlüsse gemeinsam gefasst haben. Insgesamt kann man für das Burgenland sagen: Wir haben eine eigene Identität bekommen.

 

BVZ: Es war immer Ihr Ziel, im Jahr 2010 Landeshauptmann zu sein. Gelungen ist es nicht. Bleibt das Ziel dennoch?

Steindl: Wenn man in die Politik geht, will man immer mehr erreichen – und ich hab dieses Ziel nicht aufgegeben.

 

BVZ: Dennoch verstummen die Gerüchte nicht, dass Sie gemeinsam mit Landeshauptmann Hans Niessl ein Jahr vor Ablauf der Legislaturperiode die politische Bühne verlassen werden.

Steindl: Es gibt kein Agreement, und das ist auch nicht von anderen abhängig. Ich habe einen Arbeitsauftrag für die nächsten fünf Jahre und danach werden wir sehen, ob es eine Verlängerung gibt.

 

BVZ: Wie sieht Ihr Burgenland 2020 aus?

Steindl: Bis 2020 muss das Burgenland im Wirtschaftsbereich das Silicon Valley Europas sein. Wir haben die einmalige Chance, dass wir uns im Bereich der Erneuerbaren Energie sowie der Elektromobilität positionieren. Wir werden nicht jedem Burgenländer einen Arbeitsplatz vor der Haustür schaffen können, aber das Burgenland kann das Markenland für Lebensqualität werden. Wir wollen den ländlichen Raum stärken und der Jugend die Chance geben, auch hier zu leben. Außerdem starte ich nächstes Jahr ein Pilotprojekt in den Kindergärten – mit dem Ziel, dass jedes Kind im Burgenland ein Instrument lernt.

 

BVZ: Zwischen dem Landeshauptmann und Ihnen gibt es jetzt ein sachliches Arbeitsverhältnis. Insgesamt sind die Wunden zwischen SPÖ und ÖVP aber noch nicht verheilt.

Steindl: Erstens ist das eine Zeitfrage und zweitens ist mein Ansprechpartner glasklar Landeshauptmann Hans Niessl. Wir sprechen die Probleme offen an und arbeiten gemeinsam an Lösungen.

 

BVZ: Welche drei Wünsche haben Sie ans Christkind?

Steindl: Gesundheit, erdverbunden und mit Demut weiterarbeiten zu können sowie das Burgenland als Topregion für Lebensqualität zu etablieren.

Im ÖVP-Chef-Büro: Landeshauptmann-Stellvertreter und ÖVP-Vorsitzender Franz Steindl im Gespräch mit BVZ-Leiter Markus Stefanitsch.

Vor zehn Jahren …

… und heute: Franz Steindl.