Erstellt am 08. Oktober 2014, 07:25

von Wolfgang Millendorfer, Kim Roznyak und Michaela Grabner

Neuer Wirbel um Ruhebereich. Laut SPÖ soll es keine Investitionen geben, bevor nicht mehr heimische Arbeitskräfte beschäftigt werden. WiBAG-Chef Kast: „Bis Dezember wollen wir bauen.“

Aufregung in der Therme Lutzmannsburg: Landesrat Peter Rezar (l.) will mehr Burgenländer im Personal. WiBAG-Direktor Franz Kast (r.) will die Baupläne trotzdem umsetzen.  |  NOEN, ANDI.BRUCKNER/Sonnentherme/BVZ
Seit der Neueröffnung nach dem großen Umbau 2012 steht der „Silent Dome“ – der ehemalige Ruhebereich der Therme Lutzmannsburg – nur mehr Gästen des hauseigenen Hotels Sonnenpark zur Verfügung. Fast ebenso lange gehen aus eben diesem Grund die Wogen hoch – die Privathoteliers klagen über Gästerückgänge und Wettbewerbsverzerrung.

Keine weiteren Investitionen geplant

Die geplanten Investitionen in den Thermenstandort Lutzmannsburg, darunter die Erweiterung des Ruhebereiches und der Ausbau von Zimmern, wurden nun bei einer Aufsichtsratssitzung mehrheitlich abgelehnt. Laut WiBAG-Direktor und Eigentümervertreter Franz Kast, der Wolfgang Stündl seit Kurzem als Geschäftsführer unterstützt, sei die Ablehnung nur aus formalen Gründen erfolgt.

Laut SPÖ-Arbeitsmarktlandesrat Peter Rezar aber wird es keine weiteren Investitionen in der Therme geben, solange nicht Burgenländer dort verstärkt Beschäftigung finden.

Derzeit seien rund 50 Prozent der Beschäftigten Ausländer, im Reinigungsbereich sogar 70 Prozent. „Die Mittelburgenländer haben kein Verständnis dafür, wenn vom Land fast 100 Millionen investiert wurden und dann vornehmlich ungarische Arbeitskräfte beschäftigt werden. Es kann auch nicht sein, dass ein 100-prozentiger Landesbetrieb keine Lehrlinge ausbildet“, so Rezar.

Rezars Ultimatum: „Mir reicht’s!“

Anders sieht das WiBAG-Direktor Kast: „Die ganze Branche hat ein Problem. Auch in Frauenkirchen und in anderen Thermen sind nicht mehr als 50 Prozent Burgenländer beschäftigt.“ Kast verspricht eine verstärkte Lehrlingsausbildung und versteht die Kritik zum Teil; es gebe aber auch andere Faktoren, wie etwa „die mangelnde Qualifizierung der vom AMS zugewiesenen Mitarbeiter, niedrige Kollektivverträge oder die schwierige Verkehrsanbindung“.

Für Rezar zählen diese „Ausreden“ nicht: Er schlägt unter anderem vor, die Reinigungszeiten von 22 Uhr auf 5 Uhr früh zu verlegen, weil dies für viele Frauen leichter vereinbar sei, und dazu einen Shuttledienst einzurichten, wie dieser in anderen Bereichen und Landesteilen üblich sei.

Und, so Rezar weiter, Thermen-Eigentümer WiBAG werde den politischen Unmut zu spüren bekommen: „Seit zwei Jahren gibt es intensive Gespräche. Die Direktoren sagen, sie werden das schon machen. Das höre ich schon seit zwei Jahren. Mir reicht’s!“

Kast: „Wir investieren mehr als eine Million“

Inzwischen forderten auch VP-Nationalrat Nikolaus Berlakovich sowie LBL-Mandatar Manfred Kölly mit Nachdruck, dass ein neuer Ruhebereich in der Sonnentherme geschaffen werden müsse, der allen Badegästen zugänglich sein soll.

Geht es nach Franz Kast, wird dieser Wunsch ab Dezember auch umgesetzt: In den kommenden Wochen soll der Ausbau des Ruhebereiches im Aufsichtsrat durchgehen, dann wolle man mit den Arbeiten beginnen und bis zu einer Million Euro investieren.

Rezars Ultimatum sieht Kast gelassen: „Für Großunternehmen gibt es laut EU ab Juli 2015 ohnehin keine Förderungen mehr. Alles, was wir investieren, kommt aus unserem Kapital.“