Erstellt am 24. November 2011, 12:41

Soziale Lage entscheidet über Bildungsweg. Nicht die Herkunft, sondern die soziale Lage eines Kindes führt zu Bildungsbenachteiligung. Dies ergibt die Spezialauswertung einer Studie der Arbeiterkammer.

Demnach spielen Einkommen und Bildungsgrad der Eltern die entscheidende Rolle bei der Entscheidung des Bildungswegs nach der vierten Klasse Volksschule - unabhängig davon, ob die Eltern in Österreich oder etwa in der Türkei geboren sind.

"Österreich verschleudert Talente, weil Kinder in einer Umgebung leben, die ihr Talent nicht fördert", so Gabriele Schmid, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik der AK Wien. Je niedriger das Familieneinkommen und der Bildungsgrad der Eltern, desto seltener kommen die Kinder nach der Volksschule in die AHS. Das Gymnasium sei "nicht zwangsläufig das beste Schulsystem, ist aber der Weg zur Matura", so Schmid. So ist der Anteil der Kinder von Wenigverdienern in der vierten Klasse Hauptschule fast dreimal so hoch (34 Prozent) wie in der vierten Klasse AHS-Unterstufe (13 Prozent). Nach der Mittelstufe machen zudem verhältnismäßig viele dieser Kinder Ausbildungen ohne Matura.

Die Benachteiligung von Wenigverdienern trifft dabei Kinder von Zugewanderten stark. So sind in fast drei Viertel der befragten Familien mit weniger als 1.500 Euro Haushaltseinkommen netto monatlich beide Elternteile im früheren Jugoslawien oder in der Türkei geboren. Damit erkläre sich, warum Kinder aus Zuwandererfamilien häufiger die Hauptschule besuchen und in der Folge Bildungswege ohne Maturaabschluss wählen.

Schmid sieht es als Aufgabe der Schule, "hier kompensatorisch zu wirken". Eine "zeitgemäße Schule" müsse sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren "und nicht an den Möglichkeiten der Eltern, ihr Kind zu unterstützen". Die AK Wien fordert u.a. eine Mittelkonzentration in Richtung gemeinsame Schule, einen flächendeckenden Ausbau der Leseförderung sowie gezielte Unterstützungsangebote für Eltern "zum Zeitpunkt der Bildungswegentscheidung in der vierten Klasse Volksschule".