Erstellt am 03. November 2010, 00:00

Spannungen in der BEWAG. DISKUSSION / Greenpeace hegt den Verdacht, dass die BEWAG Atomstrom bezieht. Die BEWAG dementiert. Außerdem herrscht Rätselraten über die Zukunft der Vorstände.

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VON DORIS SEEBACHER

Seit Jahren rühmt sich die BEWAG damit, garantiert erneuerbare Energie ohne Atomstrom anzubieten, was auch die Umweltorganisation Greenpeace immer wieder bestätigte. Seit heuer ist das jedoch nicht mehr der Fall. „Trotz mehrmaliger Anfrage bekamen wir keine ausreichende Antwort von der BEWAG darüber, woher der Strom kommt“, so Jurrien Westerhof, Energieexperte von Greenpeace. „Die BEWAG konnte die Herkunft nur für die Hälfte ihres Stromeinkaufes belegen, also müssen wir davon ausgehen, dass die andere Hälfte über die Strombörse bezogen wird“, vermutet Westerhof. Dort ist der Strom natürlich billiger zu bekommen, jedoch mit einem durchschnittlichen Anteil von 29 Prozent Atomstrom.

Weitere Kritik: Gekaufte  Zertifikate ohne Strom

Ein weiterer Trick der Stromlieferanten sei es laut Greenpeace, dass sie so genannte RECS (Renewable Energy Certificate System) ankaufen, jedoch nicht den dazugehörigen Strom. Dieser wird dann wieder günstig über die Strombörse gekauft. „Die BEWAG hat sogar selbst zugegeben, dass sie das auch so macht“, so Westerhof.

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„Stimmt so nicht“, heißt es von Seiten der BEWAG. Die Energie sei nach wie vor zu 100 Prozent atomstromfrei, und das habe man Greenpeace auch in diesem Jahr auf ihre Anfrage hin mitgeteilt, so BEWAG-Sprecher Gerhard Altmann.

Und auch gegen den Vorwurf des Zertifikate-Tricks wehrt er sich. „Die Zertifikate, die wir kaufen, sind keine RECS, sondern von der Aufsichtsbehörde e-control anerkannte Zertifikate.“

Ab März: Lukits und  Münzenrieder gehen

Noch ist es nicht offiziell, aber ab März 2011 werden Hans Lukits und Josef Münzenrieder nicht mehr als BEWAG-Vorstände tätig sein. „Wir haben nächsten Montag Aufsichtsratssitzung. Und bis dahin haben wir absolutes Stillschweigen vereinbart“, so Vorstandssprecher Lukits. Auch Landeshauptmann Hans Niessl verwies in diesem Zusammenhang auf die kommende Aufsichtsratssitzung.

Kritik gab es immer wieder an den überzogenen Gehaltsforderungen. Die Fixbezüge beider Vorstände betrugen im Geschäftsjahr 2008/2009 426.373 Euro. Auf die 30 Prozent „erfolgsabhängige Komponente“, die in den letzten Jahren ausbezahlt wurde, wurde im vergangenen Geschäftsjahr verzichtet.