Erstellt am 03. November 2014, 13:28

"Aus" für Militärmusik stößt weiter auf Kritik. Die wegen Einsparungen beim Heer geplante Auflassung von fünf Militärmusikkapellen schlägt auch einen Monat nach der Ankündigung Wellen.

 |  NOEN, CHRISTIAN GMASZ (APA)

Im Burgenland sammelt Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl (ÖVP) gemeinsam mit dem Blasmusikverband Protestunterschriften. Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) kündigte an, sich bei der LH-Konferenz für die Erhaltung der Militärmusikkapelle einzusetzen.

"Schaden ist enorm"

Mit klingendem Spiel ist am Montag die Militärmusik Burgenland am Landhaus, dem Sitz der Landesregierung, vorbei zum Allerseelen-Totengedenken marschiert. Im Regierungsgebäude will man das "Aus" für die Militärkapelle nicht hinnehmen: "Kostenersparnis Null, aber der Schaden ist enorm", erklärte Steindl wenig später bei einem Pressegespräch zur geplanten Abschaffung.

Statt einer Reform handle es sich lediglich um Einsparungsmaßnahmen "am Reißbrett": "Letztendlich erkennt man kein Reformstück", übte der Landeshauptmannstellvertreter Kritik in Richtung Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ).

"Man erspart sich gar nichts"

Die Militärmusik im Burgenland sei "eine wichtige Grundlagenarbeit für das Blasmusikwesen", sagte der ÖVP-Politiker, der selbst Musiker ist und Trompete spielt. Im Burgenland seien von der Abschaffung 14 Heeres-Dienstposten betroffen. Diese würden jedoch im Endeffekt nur woanders zugeordnet: "Man erspart sich gar nichts." Die übrigen 50 bis 60 Musiker seien Grundwehrdiener bzw. Zeitsoldaten.

Er habe mit dem Blasmusikverband gemeinsam alle burgenländischen Blasmusikkapellen angeschrieben, um bis 30. November "Unterschriften als Protestnote an den Verteidigungsminister" zu sammeln, so Steindl.

"Doppelgleisigkeiten" beseitigen

Nach Ansicht von Heeres-Personalvertreter Major Martin Jaidl gebe es auch andere Wege, um einzusparen - etwa durch Beseitigung von "Doppelgleisigkeiten" bei der Betreuung der Liegenschaften. Hinzu komme, dass die Militärmusik "nicht nur ein Repräsentationsverband" sei: Wenn ein Katastropheneinsatz bevorstehe, könne man die Militärmusik in Zugstärke sofort zum Einsatz bringen. Jeder Musiker sei infanteristisch ausgebildet - "dann tauscht er halt die Tuba gegen die Schaufel".

Landeshauptmann Niessl verwies in einer Aussendung auf das "national und international" hohe Ansehen der Militärkapellen. Vor allem in der burgenländischen Bevölkerung genieße die Militärmusik einen sehr hohen Stellenwert. Die Kosten für die neun Militärmusiken sollen rund 0,5 Prozent des Heeresgesamtbudgets betragen - die Ersparnis bei der Auflösung von fünf Militärmusiken liege also unter einem Prozent, argumentierte der Landeshauptmann.