Erstellt am 12. Februar 2013, 15:53

Spekulationen über Papst-Nachfolge. Nach der Ankündigung des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. zum Monatsende wird weltweit über einen geeigneten Nachfolger diskutiert.

Italienische Medien räumen dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, gute Chancen ein, Nachfolger Josef Ratzingers und damit der 266. Papst zu werden. Unterdessen reißt die Welle der internationalen Respektsbekundungen für den überraschenden Entschluss nicht ab.

Bei all den blühenden Spekulationen über den möglichen Nachfolger ist noch kein Favorit erkennbar. Ein italienischer Papst wird ebenso für möglich gehalten wie - als Zeichen der Öffnung - ein Kirchenoberhaupt aus Afrika, Lateinamerika oder Asien. Reformkräfte fürchten aber, dass der scheidende Papst mit der Ernennung zahlreicher Kardinäle bereits eine Vorentscheidung zur Fortsetzung seines konservativen Kurses getroffen hat.

In italienischen Medien wurde Schönborn als aussichtsreicher Kandidat für die Papst-Nachfolge gehandelt. "Unter den Ausländern gibt es einen Kardinal, den viele für Benedikts Nachfolge als perfekt erachten: Es handelt sich um den Österreicher Schönborn, einen ehemaligen Schüler Ratzingers", schrieb die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Dienstag. Ähnlich äußerte sich die Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" ("Unter den Europäern ist der starke Name jener des Wiener Erzbischofs Schönborn.") sowie die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" ("Im Zeichen der Kontinuität mit dem Papst steht die Kandidatur von Kardinal Schönborn, einem äußerst gebildeten Schüler Ratzingers (...)").

Als geeignete Nachfolger werden unter anderem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola und die beiden Afrikaner Peter Turkson aus Ghana und Francis Arinze aus Nigeria genannt. Auch Kardinal Marc Ouellet aus Quebec und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan werden Chancen eingeräumt. Aus Lateinamerika werden der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer, und Kurienkardinal Leonardo Sandri aus Argentinien genannt. Aus Asien gilt der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle als "papabile", also als möglicher Papst.

Auch einen Tag nach Benedikts Ankündigung, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederzulegen, riss die Welle an durchwegs positiven Reaktionen nicht ab. Bundeskanzler Werner Faymann (S) zollte dem Papst für seine Entscheidung Respekt: "Das war sicher eine persönliche, schwierige Entscheidung".

Auch in Israel wurde die Ankündigung mit Bewegung und großer Anerkennung aufgenommen. Der Oberrabbiner der sephardischen Juden, Shlomo Amar, würdigte vor allem das Eintreten Benedikts gegen Antisemitismus und gegen das Leugnen des Holocaust, wie die Zeitung "Jerusalem Post" berichtete. Ebenso reagierte die polnische Kirche und Politik mit Verständnis.

Benedikt XVI. wird sein Pontifikat am 28. Februar (20 Uhr) aufgeben - das hat es in der Neuzeit noch nie gegeben. Innerhalb von zwei bis drei Wochen danach soll das Konklave beginnen, das seinen Nachfolger wählt. Bis Ostern soll der neue Papst feststehen. Voraussichtlich 117 Kardinäle aus aller Welt sind beim Konklave wahlberechtigt - Schönborn ist dabei der einzige Österreicher. Es gilt als sicher, dass auch das neue Oberhaupt der Katholiken aus dem Kreis dieser Kardinäle kommt, theoretisch kann aber jeder männliche Katholik gewählt werden.

Benedikt selbst nimmt auch nach seiner Rücktrittsankündigung weiter Termine wahr. Dazu gehörten Treffen mit Bischöfen und ausländischen Staatsgästen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag mit. An diesem Mittwoch stehe die Generalaudienz auf dem Programm. Zudem sei eine große Feier mit dem Papst zum Aschermittwoch geplant, dem Beginn der Fastenzeit. Das werde voraussichtlich seine letzte große öffentliche Zeremonie sein. Benedikt wird nach seinem Rücktritt zunächst in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen und sich später in ein Kloster im Vatikan zurückziehen.

Mit der Rücktrittsentscheidung werde sich das Amt des Papstes verändern, sagte der Publizist und Kenner der katholischen Kirche, Hubert Feichtelbauer, im Ö1-Morgenjournal. Der Papst werde als Mensch wahrgenommen und sei "kein überirdisches Wesen". "Dringend notwendig" sei, dass der Papst eng mit seinem Beraterstab zusammenarbeite und Aufgaben aufgeteilt werden.

>> Teil 2: Der Grund seines Rücktritts


Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Dies kündigte der Heilige Vater am Montag beim Konsistorium für die Seligsprechung von zwei süditalienischen Märtyrer an.

Der Grund seines Rücktritts sei "ingravescentem aetatem'', also sein fortgeschrittenes Alter, erklärte der Papst laut Nachrichtenagentur ANSA in lateinischer Sprache.

Er habe nicht mehr länger die Kraft, die Aufgaben seines Amtes zu erfüllen. Er habe die Gewissheit, dass "meine Kräfte wegen meines hohen Alters nicht mehr angemessen sind, um auf adäquate Weise, das Petrusamt auszuüben", erklärte der Papst.

Der Papst bat um die Ausrufung eines Konklaves für die Wahl seines Nachfolgers. Dieses soll im März stattfinden, verlautete aus Vatikan-Kreisen am Montag. Das genaue Datum wurde jedoch noch nicht angekündigt.

"Das Alter drückt", sagte Papst-Bruder Georg Ratzinger am Montag der Nachrichtenagentur dpa: Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantische Reisen mehr zu unternehmen. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten.

Nur einen Tag vor der Bekanntgabe seines Rücktritts wandte sich Papst Benedikt XVI. via Nachrichtendienst Twitter an die Gläubigen. Seine Worte, datiert mit 10. Februar: "Wir dürfen der Kraft der Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Wir sind alle Sünder, doch seine Gnade verwandelt uns und macht uns neu."

Als "Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnete der ehemalige vatikanische Generalsekretär, Kardinal Angelo Sodano, den Rücktritt des seit 2005 amtieren Benedikt XVI. Der scheidende italienische Premier Mario Monti reagierte geschockt: "Ich bin von dieser unerwarteten Nachricht erschüttert", betonte er. Die deutsche Regierung bekundete "den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleistung für die katholische Kirche", wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin sagte.

Auf dem Petersplatz verbreitete sich die Nachricht des Rücktritts von Benedikt XVI. blitzartig. Der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi berief eine Pressekonferenz ein, der Medienvertreter aus der ganzen Welt teilnahmen.

In der Kirchengeschichte trat ein einziger Papst, Coelestin V., der 1294 gewählt wurde, nach wenigen Monaten aus Gewissensgründen von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger Bonifaz VIII. ließ ihn einsperren. Er starb 1296 in Gefangenschaft.

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Die Rücktrittserklärung im Wortlaut

Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt zum Ende des Monats, am 28. Februar (20.00 Uhr), angekündigt. Es folgt die Erklärung im Wortlaut, die er laut Radio Vatikan am Montag während des Konsistoriums verlas:

"Liebe Mitbrüder! Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch, um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen. Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen."

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Reaktionen zum Papst-Rücktritt

Mehr oder weniger überrascht hat der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng auf den am Montag aus gesundheitlichen Gründen verkündeten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. reagiert. "Tatsächlich kommt dieser Schritt sehr überraschend, und dann doch nicht so. Diese Konsequenz und Klarheit passt nämlich zu diesem Papst", urteilte Küng in einer schriftlichen Stellungnahme.

Kirchenrechtlich sei dieser Schritt möglich und es habe in der Geschichte auch schon "alle möglichen Situationen gegeben", so der Bischof. "Wir sind jedenfalls zuversichtlich, dass der Heilige Geist uns immer mit Klarheit den rechten Weg führen wird. Ich bitte alle Gläubigen um Gebet für den Papst, die Kardinäle und den kommenden Nachfolger.“

Für Kardinal Christoph Schönborn ist die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. ein "ganz außergewöhnlicher Schritt", der "höchsten Respekt und Hochachtung verdient". Er habe Verständnis für die Entscheidung des Papstes, wiewohl ihn dieser Schritt auch "schmerzlich berührt", so der Wiener Erzbischof am Montag in einer ersten Stellungnahme via "Kathpress". Ob er selbst ein potenzieller Nachfolger sein könnte, ließ Schönborn offen.

Die "Bürde des Papstamtes" sei enorm, do der Kardinal, der sich selbst vom Rücktritt des Papstes überrascht zeigte. Das Arbeitspensum - bestehend aus öffentlichen Terminen, Schreibtischarbeit, Entscheidungen und Beratungen - verlange dem fast 86-jährigen Papst unglaublich viel ab. Der Papst sei freilich bis heute "geistig völlig auf der Höhe seines Amtes", betonte Schönborn. Benedikt XVI. nehme seine Aufgaben "mit einer bewundernswerten geistigen und geistlichen Klarheit und Tiefe" wahr. Das wisse jeder, der etwa seine Predigten und Ansprachen hört.

Zugleich sei aber immer deutlicher geworden, dass die körperlichen Kräfte des Papstes schwinden würden, ergänzte Schönborn. Er selbst habe dies in seiner Verzichtserklärung großartig angeführt: Um das "Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden", sei "sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig". Er müsse nun sein "Unvermögen" erkennen, den ihm anvertrauten Dienst "weiter gut auszuführen", zitierte Schönborn den Papst. Nachsatz des Kardinals: "Dem gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen."

Sorgen um die katholische Kirche brauche sich niemand zu machen, zeigte sich Schönborn überzeugt. Es werde ein Konklave einberufen, das nach bewährten Regeln stattfinden wird. Im Übrigen sei es "Jesus Christus selbst, der die Kirche leitet". Er sei der oberste Hirte der Kirche: "Er hat sie in 2.000 Jahren durch alle Stürme geführt und wird sie auch weiterhin führen."

Auf die Frage, ob der bereits des öfteren als "papabile" gehandelte Schönborn potenzieller Kandidat ist, antwortete dieser in der ORF-"ZiB": "Mein Herz ist in Wien, mein Herz ist in Österreich - aber natürlich auch bei der ganzen Kirche."

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